Sennwald

Polit. Gem. SG, Region Werdenberg. Die Gem. besteht aus den Dörfern S., Frümsen und Sax am südöstl. Fuss des Alpsteins sowie Haag und Salez in der Rheintalebene. 820 in silvam vocatam Sennius, 1351 Sennwalt. 1850 2'877 Einw.; 1900 2'816; 1950 2'965; 2000 4'484.

Das frühbronzezeitl. Beilklingendepot von Salez weist vermutlich auf eine Rheinfurt hin. Das im FrühMA von den Rätoromanen besiedelte Gebiet war ab 1193 im Besitz der Frh. von Sax, die ihre Burg Forstegg um 1200 in erhöhter Lage errichteten. 1396 erwarb Eberhard von Sax den Hof S. von den Gf. von Werdenberg. Im Schwabenkrieg wurde S. 1499 von kaiserl. Truppen niedergebrannt. Alle fünf Dörfer gehörten 1517 zur Herrschaft Sax-Forstegg, 1615-1798 zur gleichnamigen Landvogtei der Stadt Zürich, 1798-1803 zum Kt. Linth und seit 1803 als polit. Gemeinde zum Kt. St. Gallen (bis 2003 im Bez. Werdenberg). S. war ursprünglich nach Bendern pfarrgenössig. 1422 erhielt es eine eigene Pfarrei, 1514 ebenso Salez. Im 17. Jh. setzten die Zürcher die Reformation definitiv durch. Neben den ref. Kirchgemeinden Salez-Haag, Sax-Frümsen und S. besteht seit 1973 die kath. Pfarrei S. Die Bevölkerung lebte vor 1800 von Vieh-, Schaf- und Pferdezucht. Wichtig war zudem der Transitverkehr mit den Susten in Salez und S. sowie den Rheinfähren Salez-Ruggell und Haag-Bendern. Insbesondere Haag und Salez litten im 18. und 19. Jh. unter den Rheinüberschwemmungen (1862-83 Rheinkorrektion). 1810 erfolgte der Bau der Strasse von Wildhaus nach Haag und 1823 von Buchs nach S. 1867 wurde die erste Rheinbrücke Haag-Bendern errichtet. Seit 1967 existieren in Haag und S. Autobahnanschlüsse. Die Landwirtschaft gewann dank der Entsumpfung des Saxerriets 1917-28 und der Gesamtmelioration 1972-96 zusätzl. Flächen. 1925 siedelte sich die Strafanstalt Saxerriet und 1977 die kant. Landwirtschaftliche Schule Rheinhof an. Das Projekt einer Ölraffinerie in S. kam nicht zustande. In der Gem. wurde 1971 der erste geolog. Wanderweg der Schweiz errichtet. Die zwischen 1880 und 1970 einseitige Ausrichtung auf die Textilindustrie wurde abgelöst durch versch. Hightech-Industrieunternehmen (Druckzentrum Sopag, VAT Vakuumventile AG, Koenig Feinstahl). Die Pyropac AG, die grösste Heizungsbauerin der Schweiz, hat ihren Sitz in S. und gehört 2011 zu den grössten Arbeitgeberinnen im St. Galler Rheintal. 2005 zählte die Gem. 2'895 Arbeitsplätze, davon rund 57% im 2. Sektor.


Literatur
– R. Aebi, Heimatkunde S., [1983]
– H.-J. Reich, «S.», in Hansruedi Rohrers Fotoarchiv Werdenberg 1890-2000, 2009, 228-269

Autorin/Autor: Wolfgang Göldi