24/10/2006 | Rückmeldung | PDF | drucken

Gams

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Polit. Gem. SG, Region Werdenberg, am Fuss des Alpsteins und am Rand der Rheintalebene, die sich hier in ihrer grösster Breite ausdehnt, gelegen. Die Gem. umfasst neben dem Dorf G. den Gamserberg mit seiner Streusiedlung sowie Gasenzen. G. beherrschte den östl. Zugang ins Toggenburg sowie den Saumpfad über die Saxerlücke nach Appenzell und St. Gallen. Es lag an der wichtigen linksrhein. Verkehrsroute Chur-Sargans-Bodensee und war Etappenort der Pilgerwege nach Einsiedeln und Rankweil. 835 Campesias, 1210 Chames, 1236 Gamps, früher rätorom. Chiamp. Bis ins SpätMA war G. rätoromanisch. 1800 1'043 Einw.; 1850 1'783; 1900 2'156; 1950 2'025; 1970 2'219; 2000 2'867.

Waffenfunde oberhalb Gasenzen weisen auf eine Begehung in der Bronzezeit hin. Das Kloster St. Gallen erhielt 835 Schenkungen in G., im 10. Jh. werden Güter des Klosters Einsiedeln, 1210 der Frh. von Sax und des Prämonstratenserklosters Churwalden erwähnt. Im 13. Jh. gelangte G. in den Besitz der Frh. von Sax und bildete nach der Erbteilung von 1360 eine eigene Herrschaft. 1393 erfolgte der Verkauf an die Hzg. von Österreich, die 1413 Kaspar von Bonstetten, der durch Heirat mit der Fam. von Sax verwandt war, belehnten. Im Alten Zürichkrieg besetzten österr. Truppen die Herrschaft G. Darauf zerstörten die Appenzeller die Burg Hohensax und die Vorburg Frischenberg, gaben sie dann aber 1461-63 auf Drängen der Eidgenossen den Bonstetten zurück. 1496 verkauften diese die Herrschaft G. an die Herren von Werdenberg, und 1497 gelangte G. auf Drängen der Gamser durch Verkauf an Schwyz und Glarus, die das nunmehrige Amt G. unter Wahrung verbriefter Sonderrechte ihrer Landvogtei Gaster unterstellten. Im Schwabenkrieg 1499 wurde G. niedergebrannt. 1798 kam die Herrschaft zum helvet. Kanton Linth. 1802 bildete G. für kurze Zeit einen autonomen Freistaat, die sog. Republik Gams. 1803 wurde G. dem Distrikt Sargans des neuen Kt. St. Gallen, 1831 dem Bez. Werdenberg zugeteilt.

Eine Kirche ist in G. 835 bezeugt, 979 wird die Pfarrkirche St. Sebastian erstmals erwähnt, die später dem hl. Michael geweiht wurde. 1868 fand die Einweihung der neu errichteten Michaelskirche statt. Der Pfarrsprengel reichte ursprünglich über das Simmitobel hinauf ins oberste Toggenburg; bis 1484 gehörten auch die Wildhauser zur Gamser Pfarrei, die ihrerseits bis 1823 dem Bistum Chur unterstand und dann zum Bistum St. Gallen kam. Unter der Herrschaft von Schwyz und Glarus blieb G. eine kath. Enklave; noch 2000 zählte G. mit einem 63%-Anteil eine kath. Mehrheit im damaligen, grösstenteils ref. Bezirk.

Ende des 19. Jh. veränderte die als Heimarbeit betriebene Stickerei die zuvor von Rindvieh- und Pferdezucht, Alpwirtschaft und Ackerbau geprägte Wirtschaft. Die Strasse nach Wildhaus (1829-33) und der Bahnhof Haag-G. (1858) brachten einen bescheidenen Aufschwung. Der Niedergang der Stickerei in den 1920er Jahren und der sog. Gamser Bankenkrach 1936-37 trafen die Gem. schwer und brachten eine Rückbesinnung auf die Landwirtschaft. Die Verbauungen und Korrekturen der Wildbäche ab 1900 und die Gesamtmelioration 1957-78 brachten einen Zuwachs an Wies- und Ackerland und ermöglichten eine rationelle Bewirtschaftung. G. ist stark agrarisch geprägt (Viehzucht, Milchwirtschaft, Tafelobstanbau); die Käserei gehört mit jährlich etwa 300 t zu den bedeutendsten Emmentaler-Produktionsstätten der Schweiz. Die Forst- und Alpwirtschaft besitzen noch eine grosse Bedeutung. Die Industrialisierung erfolgte nur zaghaft. Neben einheim. Gewerbe nahm 1953 die August Häussermann GmbH (seit 1996 Ortlinghaus AG) die Produktion von Lamellen und Kupplungen auf, und 1971 eröffnete die Contraves AG (seit 1991 Multi-Board Electronic AG) ihren Gamser Zweigbetrieb für die Fabrikation von gedruckten Schaltungen.


Literatur
– A. Müller, Beitr. zur Heimatkunde von G., 1937
– J. Staehelin, G. in vergangenen Tagen, 1960
– N. Kessler, G., 1985

Autorin/Autor: Wolfgang Göldi