31/08/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Buchs (SG)

Polit. Gem. SG, Bez. Werdenberg. Den älteren Dorfteilen vorgelagert, schliessen sich rheinwärts die städt. Charakter aufweisenden neueren Siedlungs- und Industriegebiete an. Zur polit. Gem. gehören ausserdem die dorfähnl. Weiler Räfis und Burgerau sowie Streusiedlungen am Buchserberg. 765 de Pogio, 1213 Buchs. Marktort, Industrie-, Einkaufs- und Dienstleistungszentrum des oberen St. Galler Rheintals, bedeutender Grenzbahnhof und Bahnknotenpunkt der Rheintalbahn, Bezirkshauptort. 1831 1'781 Einw.; 1850 2'015; 1900 3'851; 1950 5'204; 2000 10'399.

Jungsteinzeitl. Knochenfunde bei Sonnenbüel. Die häufigen Überschwemmungen der Talsohle durch den Rhein sowie sporad. Hochwasser des Tobelbachs waren der Besiedlung abträglich, so dass Siedlungszeugen aus vorröm. Zeit fehlen. Wie zahlreiche Flurnamen belegen, gehörte B. bis zur Verdrängung durch das Alemannische zwischen dem 8. und 12. Jh. zum alt-rätorom. Sprachgebiet Unterrätiens. Im MA war B. Teil des Stammbesitzes der Gf. von Werdenberg, deren Macht nach 1400 endgültig zerfiel. Die Herrschaft ging an das verwandte Haus Montfort-Tettnang über, welches die Herrschaftsrechte bis 1481 ausübte. 1517 kaufte Glarus die alte Grafschaft Werdenberg. B. gehörte fortan zu dessen Untertanengebiet, wurde 1798 zum Kt. Linth und 1803 zum Kt. St. Gallen geschlagen.

Im 9. Jh. wird eine Kirche St. Jörgen urkundlich erwähnt. Vor 1484 erfolgte der Bau der Martinskirche. Zudem bestanden noch im 16. Jh. die Kapellen der hl. Katharina in Räfis, des hl. Jakob in Altendorf und bei B. jene des hl. Wolfgang. Das frühere Kirchspiel B. deckte sich weitgehend mit dem Gebiet der heutigen Gemeinde. 1526 führte der Glarner Landvogt Jost Tschudi in Werdenberg die Reformation ein. Die 1896 errichtete kath. Kirche wich 1965 einem Neubau, die Reformierten erhielten 1931-32 ein neues Gotteshaus.

Vor der Industrialisierung lebte der grösste Teil der Bevölkerung von der Landwirtschaft (Milchwirtschaft, Obst- und Gemüsebau, Alpwirtschaft). Das Urbar des Kirchspiels B. von 1484 stellt ein erstes Güterverzeichnis dar. Bereits um 840 wird eine Rheinfähre zwischen B. und Schaan erwähnt. Ab Beginn des 18. Jh. bestand eine Fährverbindung zwischen der Burgerau und dem Mühleholz. 1868 wurde die Holzbrücke B.-Schaan eröffnet, deren westl. Teil 1927 vom Rhein-Hochwasser mitgerissen wurde. Im Winter 1928/29 erfolgte der Bau der ersten modernen Strassenbrücke zwischen diesen beiden Gemeinden. Mit der Inbetriebnahme der Rheineck-Chur-Bahn 1858 entstand in B. eine erste Bahnstation. Der Staatsvertrag von 1870 zwischen der Schweiz und Österreich-Ungarn brachte B. den Bahnanschluss nach Osten. Mit der Eröffnung der Arlbergbahn 1884, dem Ausbau und Erweiterung des Bahnhofs sowie dem schweiz.-liechtenstein. Zollvertrag von 1924 wurde B. endgültig das Schweizer Tor zum Osten an der Linie Feldkirch-Innsbruck-Wien. Die Wirtschaftsstruktur von B. wurde von 1880 bis ins erste Jahrzehnt des 20. Jh. massgeblich von der Stickereiindustrie bestimmt. Dank der günstigen Verkehrslage siedelten sich internat. Speditionsfirmen und namhafte Industrie- und Gewerbebetriebe an. Rund 130 Gewerbe- und Industriebetriebe (v.a. Bauunternehmen, Papierindustrie, chem. Industrie) prägten die Wirtschaftsstruktur von B. im 20. Jh. Der Dienstleistungssektor bot 1990 3'498 Arbeitsplätze, wovon viele (1985 knapp ein Drittel) direkt oder indirekt mit dem Güterumschlagplatz verbunden waren (SBB, Post, Zoll, Spedition, Transport). Die 1970 erfolgte Aufnahme des Lehrbetriebs an der interstaatl. Ingenieurschule Neu-Technikum Buchs sowie die Eröffnung des neuen Berufsschulzentrums 1990 mit gewerbl. und kaufmänn. Berufsschule liessen B. zum regionalen Schul- und Bildungszentrum werden.


Literatur
– N. Senn, J. Eggenberger, Werdenberger Chronik, 1860-62, (Nachdr. 1983)
– V. Vincenz, Die rom. Ortsnamen von B. und Sevelen, 1983
– J. Eggenberger et al., Buchser Urbar 1484, 1984, (Faksimiledruck mit Kommentar-H.)
Werdenberger Jb. 1-, 1988-

Autorin/Autor: Valentin Vincenz