25/01/2013 | Rückmeldung | PDF | drucken

Rüthi (SG)

Polit. Gem. SG, Region Rheintal. Neben R. gehören das Dorf Büchel, der Hirschensprung und der südl. Teil des Weilers Rehag zur Gem., die 1798-1831 auch Kobelwald (danach Gem. Oberriet) und 1803-31 Lienz (danach Gem. Sennwald, 1883 Altstätten) umfasste. 820 Reuti (unsicher), um 1160 Ruti, bis 1994 Rüthi (Rheintal). 1837 1'438 Einw.; 1850 1'500; 1900 1'193; 1950 1'570; 2000 1'967.

Zwei neolith. Gräber mit Silexgeräten als Beigaben wurden 1905 am Hirschensprung entdeckt. Der Hof R. gehörte spätestens ab dem 12. Jh. dem Kloster Pfäfers. Dieses erwarb 1392 die Vogtei von den Gf. von Werdenberg-Heiligenberg und stellte R. 1484 eine Offnung aus. R. und Plona waren zu dieser Zeit nach Rankweil pfarrgenössig, Lienz nach Altenstadt bei Feldkirch. Unter Abt Johann Jakob Russinger 1529 vorübergehend ref., kehrte R. 1532 zum alten Glauben zurück. Nach Rechtsstreitigkeiten mit den eidg. Orten, die 1490 R. als Teil der Landvogtei Rheintal unter ihre Herrschaft gebracht hatten, verkaufte Pfäfers 1538 Grundzinsen, Zehnten, Gericht und Kirchensatz an die Hofgenossen von R. Gleichzeitig wurde die 1287 erw. St. Valentinskapelle zur Pfarrkirche erhoben. Noch zu Beginn des 21. Jh. sind Lienz, Plona und Hirschensprung nach R. pfarrgenössig, besitzen aber eigene Kapellen. Neben Ackerbau war v.a. die Gras- und Milchwirtschaft auf den Gemeindealpen bis ins 20. Jh. von Bedeutung, der Weinbau blieb marginal. 1803 wurde R. polit. Gemeinde des neuen Kt. St. Gallen und gehörte bis 2002 zum Bez. Oberrheintal. Grösster Grundbesitzer ist nach wie vor die Ortsgemeinde, der bis 1900 auch das Fürsorgewesen oblag. 1858 erhielt R. Anschluss an die Eisenbahn. In den 1870er Jahren hielt die Stickerei (u.a. Heimarbeit) Einzug. Grossbrände zerstörten 1887 Büchel, 1890 R. Die von Bund und Kanton getragene Rheinregulierung (1892-1923) setzte den v.a. in der 2. Hälfte des 19. Jh. gehäuften Überschwemmungen ein Ende. Seit den 1960er Jahren wandelt sich R. vom Bauerndorf zum Gewerbe- und Industrieort (Batteriefabrik) mit 72% Erwerbstätigen im 2. Sektor (2005).


Literatur
– A. Kobler, Pfarrei und Kirche des hl. Valentin in R., 1938
– A. Kobler, R. St. Gallen, 1976
R. im St. Galler Rheintal, 1988

Autorin/Autor: Johannes Vogel