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Oberriet (SG)

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Polit. Gem. SG, Region Rheintal. O. besteht aus den Ortsgem. O., Eichenwies, Montlingen und Kriessern in der Rheinebene sowie Holzrhode im Berggebiet am Kamor mit dem Dorf Kobelwald und den Weilern Freienbach, Kobelwies und Hard. Die Gem. umfasst den ehem. Reichshof Kriessern, ohne Mäder im Vorarlberg und Diepoldsau. 891 Cobolo, um 1290 Chobilwalt, 1417 Oberriet. 1798 2'596 Einw.; 1850 3'909; 1900 4'277; 1950 5'582; 2000 7'454. Frühgeschichtl. Siedlungen lagen auf dem Montlingerberg und in der Römerzeit nördlich von O., wo 271 n.Chr. rund 1'700 Silbermünzen verborgen wurden. 1229 schenkte Kg. Heinrich VII. den Reichshof der Abtei St. Gallen. Nach 1250 wurde die Burg Blatten gebaut, 1270 die Höhlenburg Wichenstein erstmals erwähnt. 1274 zog Kg. Rudolf I. den Hof an sich und verpfändete ihn 1279 den Herren von Ramschwag, die ihn um 1400 aufteilten. 1486 und 1511 erwarb die Abtei St. Gallen beide Hofteile und setzte bis 1798 auf Blatten einen Obervogt ein. Ab 1490 unterstand die hohe Gerichtsbarkeit der eidg. Landvogtei Rheintal, mit Beteiligung der Fürstabtei St. Gallen. Das Dorf O. lag an den Wegen nach Au (SG), Altstätten, zum Hirschensprung und zur Fähre bei Blatten und entwickelte sich im 16.-18. Jh. zum Zentrum der Gem., was u.a. das 1539 erbaute Herrenhaus Burg bezeugt. Die ursprüngl. Siedlungskerne Buck-Oberdorf, Kirchdorf und Eichenwies folgten in lockerer Hofraumstruktur dem Westrand der Rheinalluvionen. Der Aufteilung des Isenriets 1771 folgte 1792 jene der übrigen Allmenden, Wälder und Alpen unter die Rhoden (Ortsgemeinden). 1798 erzwangen helvet. Truppen den von O. verweigerten Bürgereid. 1803 entstand die polit. Gemeinde O.; Kobelwald gehörte 1803-35 zu Rüthi.

Während der Reformation blieb O. unter Pfarrer Diepolt Huter katholisch. Nach dem Bau der Kirche St. Sebastian in Kobelwald trennte sich die Holzrhode 1801 von der Pfarrei Montlingen. 1808 löste sich auch O. von Montlingen und errichtete 1810 die Kirche St. Margaretha.

1825-28 wurde der östlich der Bauten verlaufende Talweg durch die westlich davon geführte Staatsstrasse ersetzt. Erst jetzt verdichtete sich das Ortsbild zum Prototyp eines Strassen- und Zeilendorfs. Grossbrände zerstörten 1889 im Oberdorf von O. 21 Gebäude, 1890 mit dem Nachbardorf Rüthi auch die Ortschaft Moos mit 71 Bauten. Bis ins 19. Jh. herrschten im fruchtbaren Schwemmland Ackerbau und Viehzucht vor, im Dorf O. auch Gewerbe und Fuhrhalterei sowie im Ban- und Isenriet Streuewirtschaft und Torfabbau. Neue Impulse erhielt O. durch den Eisenbahnbau 1858, die Rheinkorrektion 1862-83, den Bau der Rheinbrücken 1872 bei O., 1875 bei Kriessern und 1883 bei Montlingen, den Bau des Rheintaler Binnenkanals mit Elektrizitätswerken 1895-1906, die Melioration der Rheinebene 1941-55 und den Bau der A13 ab 1963. Bedeutend waren die 1836-1970 tätige Ziegelei Zäch, die 1870-1920 dominierende Maschinenstickerei sowie der erneute wirtschaftl. Aufschwung nach 1960. Die von der Ortsgemeinde O. 1875 zur Arbeitsbeschaffung gegr., bis 1905 geführte Actienstickerei Oberriet war unternehmerisch einmalig. 1923 begann Josef Jansen im selben Fabrikgebäude Präzisionsstahlrohre zu produzieren und legte damit den Grundstein des Aufstiegs zur international tätigen, grössten Firma der Gem. (heute Jansen AG). Seit 1979 ist das ehem. Fabrikgebäude Sitz des Instituts St. Karl Borromäus der Priesterbruderschaft Pius X. 2000 arbeiteten ca. 600 Einwohner von O. in Altstätten (ca. 30% der Wegpendler) und 2005 stellte der 2. Sektor 53% der Arbeitsplätze.


Archive
– Museum Rothus, O.
Literatur
– J.Hardegger, H. Wartmann, Der Hof Kriessern, 1878
– W. Langenegger, Gesch. des Reichshofes Kriessern, 1979
– M. Kaiser, Ortsbildinventar der Gem. O., Ms., 1981, (Denkmalpflege St. Gallen)

Autorin/Autor: Markus Kaiser