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Dätwyler [Daetwyler], Max

geboren 7.9.1886 Arbon,gestorben 26.1.1976 Zumikon, ref. (Austritt 1950), von Unterentfelden. Sohn des Gottlieb, Hoteliers, und der Maria Pauline Indermühle, von Andelfingen. ∞ 1918 Klara Brechbühl, Tochter des Johann, von Lauperswil. Aus kinderreicher Fam., Schulen in Arbon, kaufmänn. Lehre in Wattwil, Kellner in Rom, Paris und London, dann Gerant in Bern. Im Aug. 1914 verweigerte D. den Fahneneid aus Protest gegen den Wahnsinn des Krieges, wurde psychiatrisch interniert und aus der Armee ausgeschlossen. Er lebte fortan für die Friedensförderung. In Bern gründete er eine Friedensarmee, deren Geldsammlungen behördlich behindert wurden. 1916-18 wohnte D. in Zürich: Eine von ihm und Max Rotter einberufene Kundgebung zur Beendigung des Krieges löste die Novemberunruhen von 1917 aus. D. trat von da an allein auf. Ab 1918 in Zumikon, verkaufte er unter Mithilfe seiner Frau eigene biolog. Gartenbau- und Tierprodukte, Strickwaren und Broschüren. 1932 begann er mit neuen pazifist. Aktionen: Friedensmärschen nach Genf (Begegnung mit Mahatma Gandhi) und Paris, Aktionen in Zürich und München. Im 2. Weltkrieg wurde die weisse Fahne zu seinem ständigen Requisit. Nach dem Tod seiner Frau (1959) trat D. in den Machtzentren und Krisenherden der Welt für den Weltfrieden und die Abrüstung ein, so in West- und Ost-Berlin, Moskau, Washington, Havanna, London, Kairo, Jerusalem und auch im Jura. Von den Regierenden wurde er aber nie empfangen.

D.s Pazifismus basierte auf der unbedingten Anerkennung der christl. Botschaft der Nächstenliebe; die Gewalt des Staates und die dadurch verursachten Kriege sah er in Widerspruch dazu. Diese Erkenntnis führte ihn zu konsequenter Gewaltlosigkeit, die er mit Humor und Witz vertrat. Wegen seiner Aktivitäten im In- und Ausland wiederholt verhaftet, psychiatrisiert und immer auch belächelt, wurde D. als Friedensapostel mit der weissen Fahne zu einer Figur, deren Eigensinn zunehmend zur Auseinandersetzung anregte.


Werke
Die Friedensarmee, [1916]
Daetwyler als Dienstverweigerer, [1919]
Erlebnisse in der Irrenanstalt, 1919
Welt-Friedens-Ztg./World Peace News
Archive
– BAR, Nachlass
Literatur
– H. von Graffenried (Text), R. Gnant (Fotos), «In Liebe: Max Daetwyler», in Woche, 4.1.-8.2.1967
Max Daetwyler [Film], Regie: N. Feusi, 1972
– M. Daetwyler, Max Daetwyler, 1976
Visionäre Schweiz, Ausstellungskat. Zürich, 1991, 113-115
Max Daetwyler, Friedensapostel, Ausstellungskat. Bern, 1996

Autorin/Autor: Markus Bürgi