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No 8

Bürkli, Karl

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geboren 29.7.1823 Zürich,gestorben 20.10.1901 Mettmenstetten, ref., später konfessionslos, von Zürich. Sohn des Johann Georg ( -> 6). Vetter des Arnold ( -> 1) und des Georg von Wyss. Ledig. Nach dem Abbruch des Untergymnasiums (1835-39) absolvierte B. 1839-42 eine Gerberlehre. 1842-48 folgten Wanderjahre: In Paris (1845-47) lernte B. die Lehre von Charles Fourier kennen, die ihn entscheidend prägte. 1848-55 in Zürich, trat B. ab 1851 mit Johann Jakob Treichler gegen die Regierung Escher auf: In Artikeln und Übersetzungen propagierte er die Ideen Fouriers, forderte Volks- und Tauschbanken sowie Konsum- und Produktivgenossenschaften zur Reformierung und Überwindung des kapitalist. Systems und zur Errichtung einer gerechteren Gesellschaft in einer sozialist. Republik. Beeinflusst von Moritz Rittinghausen sah er in der direkten Demokratie die geeignete Übergangsform. B. trat 1851 dem Grütliverein bei, war 1851 Mitbegründer und bis 1854 Faktor des Konsumvereins Zürich und 1851-55 Zürcher Grossrat. Das von ihm ab 1854 vorbereitete Experiment, in Texas ein Phalanstère nach Fourier zu errichten, scheiterte nach der Auswanderung bereits 1856. Nach der Rückkehr nach Zürich 1858 arbeitete B. bis 1861 erneut als Faktor des Konsumvereins, als er in seinem Kampf gegen kapitalist. Entwicklungen Treichler unterlag. 1861-87 führte er als Wirt ein Lokal, das ein Zentrum oppositioneller Strömungen wurde. 1867-69 führend in der demokrat. Bewegung, gehörte B. auch der 35er-Kommission des Verfassungsrats von 1868-69 an. Hier erreichte er die Unterstützung der Genossenschaften durch den Staat. Schon zuvor war er für eine Kantonalbank und militär. Reformen im Sinne des Volksheers eingetreten. 1869-78 und 1882-99 war er Mitglied des Kantonsrats, 1866-70 und 1893-1901 des Gr. Stadtrats von Zürich.

1866 trat B. der Internationale bei, war 1867-76 Gründer und Präs. der Sektion Zürich und nahm aktiv an den in der Schweiz tagenden Kongressen teil. Der sich im letzten Viertel des 19. Jh. herausbildenden sozialdemokrat. Arbeiterbewegung schloss er sich von Beginn weg an. Neben alten Forderungen vertrat er nun die Einführung des Proporzes und machte Vorschläge zur staatl. Nutzung der Wasserkraft. Er verfasste auch Arbeiten zur Geschichte der alten Eidgenossenschaft, u.a. gegen den Winkelried-Mythos, den er von seiner demokrat. Position aus kritisierte. B., einer der Pioniere der schweiz. Arbeiterbewegung, war kein systemat. Theoretiker. Bedeutung hat er als Vermittler der Ideen Fouriers und Rittinghausens, für die er sich in Projekten auch finanziell engagierte. Er brachte damit die Traditionen des Frühsozialismus in die sozialdemokrat. Arbeiterbewegung und beeinflusste sie in evolutionist. Sinne.


Literatur
– H.-U. Schiedt, Die Welt neu erfinden: Karl B. (1823-1901) und seine Schriften, 2002, (mit Bibl. und Werkverz.)

Autorin/Autor: Markus Bürgi