Schwerzenbach

Polit. Gem. ZH, Bez. Uster, am nördl. Ende des Greifensees gelegen. 1064 Swerzenbach (Abschrift vermutlich aus den Acta Murensia). 1836 221 Einw.; 1850 218; 1900 201; 1950 389; 1970 2'665; 2000 4'256. Die wenigen bronzezeitl. Einzelfunde lassen keine Schlüsse auf eine frühe Besiedlung von S. zu. Der Fund eines röm. Münzschatzes 1895 ist schlecht dokumentiert und gilt als fragwürdig. Im MA gehörte S. zur Rapperswiler Herrschaft Greifensee, welche die Gräfin Elisabeth von Rapperswil an die Herren von Landenberg verpfändete. Die Herrschaft gelangte 1402 pfandweise an die Stadt Zürich. Auch das Kloster Einsiedeln besass Güter und Rechte in S. Bis 1798 bildete S. einen Teil der Zürcher Landvogtei Greifensee, kam 1798 zum helvet. Distrikt Uster und 1803 zum gleichnamigen Bezirk. Neben der 1275 erstmals erw. Kirche soll sich das Grab des Lokalheiligen Einhard befunden haben, von dem der Pfarrer von S., Johannes Klarer (gestorben 1535), genannt Schnegg, eine um 1188 in S. spielende Wundersage erzählte. Die Kirche wurde 1444 im Alten Zürichkrieg verwüstet. Auch nach der Reformation gehörte die Kollatur dem Kloster Einsiedeln, das sie bis 1834 ausübte. Der 1529 von Schwyz abgeurteilte Jakob Kaiser, der ref. Pfarrer von S. und Kaltbrunn, starb den Feuertod, was den 1. Kappelerkrieg mitauslöste. In der frühen Neuzeit prägte die Landwirtschaft das wirtschaftl. Leben in S., im 18. Jh. brachte das Spinnen und Weben in Heimarbeit zusätzl. Einkommen. Die Industrialisierung blieb mangels geeigneter Wasserläufe und trotz eigener, seit 1856 bestehender Bahnstation gering. Eine einzige Seidenfabrik etablierte sich im Dorf. Mit dem Bauboom in den 1960er und 70er Jahren erfolgte ein rasanter Bevölkerungsanstieg. Das Dorfzentrum verlagerte sich vom alten Kern bei der Kirche zur Bahnstation in Richtung Volketswil. Damit ging ein wirtschaftl. Aufschwung einher: 1960-2005 entstanden in der Gem. rund 3'000 neue Arbeitsplätze, zunächst im Industrie-, später im Dienstleistungssektor. S. ist eine Arbeitsplatzgemeinde, deren Angebot an Stellen die Zahl der erwerbstätigen Einwohner übersteigt. 2005 stellte der 2. Sektor 34%, der 3. 63% der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
– B. Frei, S., 2004

Autorin/Autor: Rainer Hugener