10/10/2012 | Rückmeldung | PDF | drucken

Thal (SG)

Polit. Gem. SG, Region Rorschach. Umfasst seit 1803 die Dörfer T., Altenrhein, Buechen, Buriet, Staad und versch. Weiler. Haufendorf in der Ebene zwischen Appenzeller Vorderland, Buchberg und Bodensee. 1163 curtis tale. 1850 2'748 Einw.; 1900 3'546; 1950 4'025; 1970 4'919; 2000 5'996.

Der Bf. von Konstanz verkaufte den aus T., Buechen, Heiden, Lutzenberg, Rheineck, Staad und Wolfhalden bestehenden Hof T. samt Pfarrkirche 1163 an Rudolf von Pfullendorf, der den 1209 in die Reichsvogtei Rheineck umgewandelten Reichshof an Ks. Friedrich I. vererbte. Die erste Kirche dürfte um 700 erbaut worden sein. Niedergericht, Kirchensatz und Kelnhof T. wurden 1341 an die Herren von Sulzberg verpfändet. 1429 löste sich Kurzenberg von T. 1598 wurde eine Allmendteilung zwischen dem Hof T. und Kurzenberg durchgeführt. 1498 erfolgte die definitive Abtrennung der Stadt Rheineck, 1770 eine Allmendteilung im Buriet unter den Dorfgenossen. 1490-1798 war T. Teil der Landvogtei Rheintal. 1798-1803 gehörte T. zum helvet. Distrikt Rheintal, dann 1803-31 zum gleichnamigen sankt-gall. Bezirk bzw. 1831-2002 zum Bez. Unterrheintal. Die Pfarrei T. mit der Kirche Unserer Lieben Frau umfasste T., Buechen, Staad, Rheineck, die appenzell. Gem. Heiden, Lutzenberg und Wolfhalden sowie bis 1791 das österr. Gaissau. 1529-32 war T. reformiert, dann paritätisch. 1712 erfolgte die Teilung des Kirchengutes. 1716 entstand die ref. Pfarrei T.-Lutzenberg, 1790 wurde die ref. Kirche Buechen-Staad erbaut. Ab dem 16. Jh. entstanden hier Schlösser und Landhäuser von Adligen und Bürgern der Stadt St.Gallen. Der Rhein und die Bäche aus dem Appenzeller Vorderland richteten immer wieder Schaden an (1889-97 Verbauungen). Ein Brand zerstörte 1806 49 Gebäude. Bis zum 2. Weltkrieg lebte T. hauptsächlich von der Landwirtschaft, vor 1850 v.a. vom Ackerbau (12 Mühlen). Seit dem SpätMA wird zudem Sandstein gewonnen. Bereits im 10. Jh. ist Rebbau am Buchberg belegt (1886 96 ha Rebfläche, 1992 20 ha). 1916 wurde die Weinbaugenossenschaft T. gegründet. Daneben siedelte sich schon früh Industrie an: 1813 Zwirnerei, 1891 Angliederung einer Färberei, 1836 Seidengazenfabrik (Fabrik- und Heimarbeit), 1862 Kartonfabrik. Mit dem ehem. Fremdenkrankenhaus von 1885 (1916 zum Gemeindekrankenhaus, 1979 zum regionalen Pflegeheim umgewandelt) und dem Gymnasium Marienburg (1930) der Steyler Missionare bietet T. Dienstleistungen für die Region an. Topografie und Siedlungsweise erfordern eine aufwendige Infrastruktur. Dank dem 1973 erfolgten Autobahnanschluss liessen sich diverse Industrie- und Gewerbebetriebe (2005 insgesamt 3'142 Arbeitsplätze) v.a. im Buriet nieder, während sich in Buechen Wohnquartiere, Schul- und Freizeitanlagen konzentrieren.


Literatur
– P. Bütler, «Gesch. des St. Gall. Rheintals bis zum Jahre 1500», in Mitt. zur vaterländ. Gesch. 36, 1920, 207-284
– R. Dornbierer, Geschichtliches über den Hof T., 1975
Unser Rheintal, 1992, 210-249

Autorin/Autor: Peter Müller