15/09/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Au (SG)

Polit. Gem. SG, Bez. Unterrheintal. Am Engpass zwischen Heldsberg und Rhein gelegen, entstand die Gem. aus den urspr. Siedlungen A., Haslach, Hard und Monstein. 1316 Diken Auwe. 1837 917 Einw.; 1850 875; 1900 1'314; 1910 2'437; 1950 2'636; 1970 4'944; 1990 5'778 (ohne Heerbrugg 3'370).

Die Grenzziehung Kg. Dagoberts I. am Monstein um 620/30 und die Nennung ad Manen 891 sind fragl. bzw. nicht lokalisierbar. Die ob A. gelegene Burg Zwingenstein (1282 Twingenstain) wurde 1447 von den Appenzellern zerstört. A. gehörte zum Reichshof Lustenau, der ab 1395 unter hohenems. Herrschaft stand. Die linksrhein., ab 1490 eidg. Gebiete wurden 1593 als Hof Widnau-Haslach ein eigenes Niedergericht. Dieses trennte sich 1775 in die Höfe A., Widnau und Schmitter, deren Grundbesitz in den Lustenauer Schweizerriedern erhalten blieb. Den 1759 ausgestorbenen Gf. von Hohenems folgten als Niedergerichtsherren 1766-76 die Gf. von Harrach, 1782-98 die Salis-Soglio. Diese besassen bis zum Brand 1853 auch das Schloss Monstein (1595 von der St. Galler Fam. Schobinger erbaut). Nach der Kantonsgründung (1803) blieb A. bis 1805 mit der Gem. Berneck vereinigt, zu dem es bis zur Gründung einer kath. Pfarrei A. (1802) auch kirchl. gehört hatte. Die 1721 erbaute Kapelle wurde 1804 und 1924-25 durch Kirchenbauten ersetzt. Die Reformierten besitzen seit 1952 ein eigenes Gotteshaus. Bis 1972 bestanden konfessionelle Schulgem.

Um Kapelle und Kirche entstand der Dorfkern. Zuvor wurde in den Einzelhöfen am Heldsberg Rebbau betrieben, in Monstein waren Gewerbe und Flussschifffahrt angesiedelt, während sich die Landwirtschaft (in charakterist. Rheintaler Hofraum-Siedlungsstruktur) auf den fruchtbaren seitl. Rheinalluvionen ausbreitete. Der Bedrohung durch Rhein und Rietach im 18. und 19. Jh. wurde mit Rhein- und Binnengewässerkorrektionen 1873-1904 begegnet. 1858 erfolgte der Anschluss an das Eisenbahnnetz. Die Holzbrücken, welche 1867 in Monstein und 1878 in Oberfahr die Fähren ersetzt hatten, wichen 1956-57 einer neuen Brücke. 1864 gründete Friedrich Block aus Hannover die Senf- und Zichorienfabrik Hollandia und ergänzte sie 1874 durch die erste Rheintaler Stickereifabrik Britannia. Während der Stickereikonjunktur entstanden ab 1880 Heerbrugg, ab 1900 das Bahnhofquartier, ab 1906 Oberfahr; 1900-10 wuchs der ausländ. Bevölkerungsanteil von 8,5% auf 32,4%. 1942-60 trennte die Melioration der Rheinebene Landwirtschafts- und Bauzonen. Dies schuf Raum zur Expansion der Wohn- und Industriegebiete, gefördert durch Verkehrsbauten (Brücke, A 13) und die Grenzlage. Dem wirtschaftl. Erfolg (1975-91 tiefster Steuerfuss des Kt.) steht der radikale Ortsbildwandel gegenüber.


Literatur
– H. Wartmann, Der Hof Widnau-Haslach, 1887
– J. Schöbi, L. Zoller, Die Gem. A.-Heerbrugg, 1986
Industriekultur am Bodensee, hg. von D. Stender, 1992, 68 f.
– W. Frei et al., A. und Heerbrugg seit 1900, 1992

Autorin/Autor: Markus Kaiser