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Walther, Gottlieb

geboren 11.10.1738 (Isaak Gottlieb) Bern, gestorben 10.12.1805 Bern, ref., von Bern. Sohn des Johannes, Seidenfabrikanten und Händlers. Ledig. Wegen aufklärer. Zweifel und Liederlichkeit vom Theologieexamen ausgeschlossen, absolvierte W. 1772 das Rechtsexamen, wurde 1775 Fürsprecher vor dem Rat und erhielt 1778 auf Probe die erste Berner Rechtsprofessur. Weil er als Lehrer unzuverlässig war, verlor er 1788 die Professur und erhielt nie den Ruf ans Polit. Institut. Als Historiographus Rei Publicae blieb ihm aber der Auftrag, eine bern. Rechtsgeschichte zu verfassen, sein Hauptwerk, in dem er die Vorstellung der uraristokrat. Grundverfassung Berns demontierte. Der erste Band dieser "Geschichte des berner. Stadtrechts" erschien 1794, während W. aufgrund der Zensureingriffe die gesamte Auflage des zweiten Bands zerstören liess; der dritte Band wurde nie gedruckt, obwohl die Helvet. Republik dem Rationalisten, Aufklärer und Demokraten zu dessen Vollendung eine Pension ausgesetzt hatte. In W.s zahlreichen Publikationen treten seine wissenschaftl. Spürkraft und krit. Schärfe sowie sein Mut zur Hypothese zutage.


Literatur
– H. Kühne, Gottlieb W. (1738-1805) und die hist. Rechtsschule, 1952
– H. von Greyerz, Nation und Gesch. im bern. Denken, 1953
– Feller/Bonjour, Geschichtsschreibung 2, 469-471 (mit Werkverz.)

Autorin/Autor: Christoph Zürcher