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Fontana, Domenico

geboren 1543 Melide, gestorben 28.6.1607 Neapel (begraben in S. Anna dei Lombardi in Neapel), kath., von Melide. Sohn des Sebastiano und der Domenica. ∞ Elisabetta Paduschi. Als einer der zahlreichen Tessiner Baukünstler kam der junge Stuckateur um 1563 nach Rom. Unter Gregor XIII. trat er als Baumeister in den päpstl. Dienst. Entscheidend für seine Laufbahn war die Begegnung 1574 mit Felice Peretti, dem späteren Papst Sixtus V. Für ihn baute F. die Villa Montalto auf dem Esquilin, gewaltige, aber monotone Paläste im Vatikan (u.a. die Vatikan. Bibliothek), im Lateran und auf dem Quirinal, die Benediktionsloggia an der Lateranbasilika sowie die interessante Cappella del Presepio an der Basilika S. Maria Maggiore. Mit seinem Bruder Giovanni schuf er den Acquedotto Felice zur Erschliessung der höher gelegenen Stadtteile und den Mosesbrunnen, den Ponte di Borghetto über den Tiber und, zusammen mit Giacomo della Porta, die Kuppel des Petersdoms. Seinen Ruhm krönte er mit der Aufstellung der grossen Obelisken auf dem Petersplatz (1586), der Piazza S. Maria Maggiore (1587), der Piazza S. Giovanni in Laterano (1588) und der Piazza S. Maria del Popolo (1589). Ob er auch für die sixtinische Stadtplanung verantwortlich gemacht werden darf, muss offen bleiben, jedenfalls war er mit dieser Grundlegung des barocken Rom eng verbunden. Die Anlage oder Vollendung der Via Felice, der Via Pia, der Piazza delle Terme und der Piazza del Quirinale fielen in diese Zeit. Nicht verwirklicht wurde F.s Projekt, das Kolosseum in eine Werk- und Wohnstätte für Wollarbeiter umzubauen. Nach dem Tode Sixtus' V. verlor F. 1590 seine Stellung am päpstl. Hof. Ab 1592 stand er im Dienste des Kg. von Neapel. Er leitete den Umbau der Hafenanlagen von Bari und Neapel, führte Trockenlegungsprojekte weiter und baute die Strassen nach Chiaia und S. Lucia sowie den Palazzo Carafa della Spina. Ab 1600 entstand sein bedeutendstes Werk in Neapel, der Palazzo Reale, den er auf einer Säulenplinthe am linken Portal signierte: "Dominicus F. Patritius Romanus Auratae Militae Aeques Inventor." F. war der bekannteste Ingenieur seiner Zeit, ein einflussreicher Städtebauer und einer der bedeutendsten Tessiner Baumeister.


Werke
Della trasportatione dell'obelisco Vaticano et delle fabriche di nostro Signore Papa Sisto V., 1590 und erweitert 1604, (Nachdr. 1979, hg. von A. Carugo; Teil-Nachdr. mit dt. Übers. 1987, hg. von D. Conrad)
Literatur
– A. Muñoz, Domenico F., architetto, 1944
– R. Schiffmann, Roma Felix, 1985
– T. Colletta, «Domenico F. a Napoli», in Storia della Città 44, 1987, 76-118
– B. Burkart, Der Lateran Sixtus V. und sein Architekt Domenico F., 1989
– G. Curcio, L. Spezzaferro, Fabbriche e architetti ticinesi nella Roma barocca, 1989
– M. Pfister, Repertorium der Magistri Luganesii 1, 1994
DBI 48, 638-643

Autorin/Autor: Heinz Horat