27/08/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Mönchaltorf

Polit. Gem. ZH, Bez. Uster. Südöstlich des Greifensees gelegen, umfasst die Gem. neben dem Dorf M. die Weiler Burg, Brand, Lindhof, Wühre, die Exklave Heusberg sowie eine Vielzahl von Einzelhöfen. 741 Villa Altorf, 872 Altorf monachorum. 1771 695 Einw.; 1850 1'148; 1860 1'189; 1900 804; 1941 706; 1950 837; 1970 1'604; 1980 2'863; 2000 3'183.

M. wurde vermutlich erst im FrühMA besiedelt. Der Hof M. gelangte als Teil umfangreicher Abtretungen der Beata-Sippe 744 an die Abtei St. Gallen. Nach weiteren Güterübertragungen zwischen Zürichsee, Greifensee und Pfäffikersee im 9. Jh. wurde M. - neben Dürnten - zum wichtigsten grundherrl. Verwaltungshof des Klosters im südwestl. Zürcher Oberland, gekennzeichnet durch die 902 erw. Kirche (Patrone Gallus und Otmar 1488 bezeugt) und vermutlich eine Residenz für Aussenpröpste. Um 1230 bis 1253 war der Hof an die Kyburger, danach an die Regensberger verpfändet. 1269 löste die Abtei die Pfandschaft ein. 1273/74 verkaufte sie die gesamte Grüninger Herrschaft mit Dürnten und M. als Erblehen an Rudolf von Habsburg. Als Teil des österr. Amtes Grüningen wurde der Hof mehrmals verpfändet, zuletzt 1408 an Zürich. In der Folge übte die Stadt bis 1798 die hohe und niedere Gerichtsbarkeit (Hofrodel 1439) aus und hatte das Kirchenpatronat inne. Die vorrom. Kirche wurde um 1100 durch einen rom. Neubau ersetzt, dieser 1520-22 durch die bestehende spätgot. Kirche abgelöst. Spätestens ab 1340 bis 1609 war M. eine Filiale von Egg, wurde danach von Uster aus versehen; 1709 entstand eine selbstständige Kirchgemeinde. Die Burg Liebenberg im Brand war im frühen 13. Jh. Sitz der Ministerialen von Liebenberg, 1293-1391 St. Galler Lehen der Giel von Glattburg (von Liebenberg) und ging dann durch Kauf an die habsburg.-österr. Dienstleute Gessler, die sie 1408 der Stadt Zürich verpfändeten. In deren Besitz verblieb sie bis zur Zerstörung im Alten Zürichkrieg 1440 (Fundamentspuren).

Die durch ausgedehnte Feuchtgebiete (Riedgraswirtschaft) und Güterzersplitterungen (Erbteilungen) beeinträchtigte landwirtschaftl. Ertragslage führte im 18. und 19. Jh. zur Heimindustrie: 1860 waren 245 Seidenweber und -weberinnen tätig. Drei örtl. Ferggereien vermittelten zwischen den Heimarbeitern und den Seidenfabrikanten in Zürich, Horgen und Wädenswil. Daneben entstanden eine Rosshaar-Fabrik, eine Baumwollspinnerei (gegr. 1834), eine Baumwolltücherfabrik (1839) und eine Zündholzfabrik. Die heutige Landwirtschaft ist von der im 2. Weltkrieg mit Gossau (ZH) durchgeführten Gesamtmelioration der Feuchtgebiete und von Güterzusammenlegungen geprägt. Durch Aussiedlung aus dem Dorf wurden sechs arrondierte Bauernhöfe geschaffen. Nach der Vollendung der Forch-Autobahn von Zürich nach Esslingen 1972 setzte eine grosse Wohnbautätigkeit ein, die zu einer allseitigen Umschliessung des alten Dorfkerns durch neue Siedlungen führte. Beidseits der Esslinger-Strasse siedelten sich gewerbl. und industrielle Unternehmen an. Busse der Verkehrsbetriebe Zürcher Oberland, Nachfolger der elektr. Strassenbahn Uster-M.-Esslingen-Oetwil (1909-49), schliessen M. an das zürcher. Verkehrsnetz an.


Literatur
– P. Hess, Auf der Suche nach den Mönchaltorfer Kirchen, 1990
1250 Jahre M. 741-1991, 1991

Autorin/Autor: Paul Hess