• <b>Carl Stooss</b><br>Fotoporträt des Berner Juristen, um 1930 (Schweizerische Nationalbibliothek).

No 2

Stooss, Carl

geboren 13.10.1849 Bern, gestorben 24.2.1934 Graz, ref., von Bern. Sohn des Sigmund Karl, Metzgers und Regierungsrats, und der Julie Albertine Luise geb. von Rümelin. Bruder des Alfred ( -> 1). ∞ Anna Martha Ziegler. S. schloss sein Rechtsstud. in Bern, Leipzig, Heidelberg und Paris 1873 als Fürsprecher ab und promovierte 1878. Er wirkte 1876-79 als Amtsgerichtspräsident in Bern, bevor er 1879 PD für bern. Privat- und Zivilrecht wurde. 1882-86 war er o. Prof. für Strafrecht in Bern, 1886-88 Richter am Obergericht. 1888 gründete er die "Schweiz. Zeitschrift für Strafrecht". Im selben Jahr beauftragte ihn der Bundesrat, ein schweiz. Strafgesetz zu schaffen. Nach der Erschliessung der kant. Strafrechte im zweibändigen Werk "Die schweiz. Strafgesetzbücher zur Vergleichung zusammengestellt" (1890) publizierte S. 1893 den "Vorentwurf zu einem Schweiz. Strafgesetzbuch". Er vereinigte darin das kriminalreformer. Postulat der Resozialisation mit der Aufgabe des Schuldausgleichs. Seine knappe und klare Sprache wies ihn als grossen Gesetzgeber aus, der die Strafrechtsreformen vieler Länder prägen sollte. 1891 kehrte er unbesoldet als Prof. für vergleichendes schweiz. Strafrecht an die Univ. Bern zurück. Da er nach seinem Bundesauftrag keine gesicherte Existenz hatte, nahm er 1896 einen Ruf nach Wien an (1921 Emeritierung). Es gelang ihm nicht, das österr. Strafrecht zu erneuern. Der Verlust seines Vermögens 1919 hinderte ihn an der Rückkehr in die Schweiz. Ab 1920 erarbeitete er für den Bundesrat einen Entwurf für den Bundesstrafprozess. Trotz zahlreicher Ehrungen, u.a. 1925 Mitgliedschaft in der österr. Akademie der Wissenschaften, starb S. vereinsamt.

<b>Carl Stooss</b><br>Fotoporträt des Berner Juristen, um 1930 (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>
Fotoporträt des Berner Juristen, um 1930 (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Werke
Die Rechtswiss. der Gegenwart in Selbstdarst. 2, hg. von H. Planitz, 1925, 205-235 (Autobiogr.)
Literatur
– P. Kaenel, Die kriminalpolit. Konzeption von Carl S. im Rahmen der geschichtl. Entwicklung von Kriminalpolitik und Straftheorien, 1981
– M. Rusca, La destinée de la politique criminelle de Carl S., 1981
– R. Moos, «Carl S. in Österreich», in Schweiz. Zs.f. Strafrecht 105, 1988, 35-79
– L. Gschwend, «Carl S. (1849-1934)», in Schweiz. Zs.f. Strafrecht 112, 1994, 26-56

Autorin/Autor: Christoph Zürcher