• <b>Niklaus Friedrich Steiger</b><br>Bestattung des Altschultheissen im Berner Münster, 1805. Kolorierte Zeichnung eines unbekannten Künstlers (Bernisches Historisches Museum). In der Mediationszeit, rund fünf Jahre nach Steigers Tod im Exil, beschloss der bernische Grosse Rat die Exhumierung und Überführung der sterblichen Überreste des Altschultheissen nach Bern. Das Begräbnis wurde mit grossem Pomp und militärischen Ehren gefeiert. Obgleich ursprünglich als Demonstration konservativer Politik geplant, wurde das Ereignis von den Anhängern der Helvetischen Republik gleichsam als Begräbnis des Ancien Régime empfunden.

No 48

Steiger, Niklaus Friedrich

geboren 17.5.1729 Bern, gestorben 3.12.1799 Augsburg, begraben Berner Münster, ref., von Bern. Sohn des Sigmund, Landvogts von Morges, und der Jeanne Elisabeth de Vuillermin. ∞ 1756 Margaritha Elisabeth von Büren, Tochter des Viktor, Gubernators von Payerne. Pädagogium und Studien in Halle. Reise durch die Niederlande. 1755 Schultheiss des Äusseren Stands, ab 1764 Grossrat in Bern, 1772-74 Schultheiss von Thun, ab 1774 Kleinrat, 1777-80 Venner zu Gerbern, 1780-87 Deutschseckelmeister und ab 1787 jährlich alternierend. Berner Schultheiss. S. zeichnete sich durch profunde Sachkenntnis und diplomat. Geschick aus. Dies zeigte sich bei seiner Vermittlung in der Gaudot-Affäre 1767-68, seinen Unterhandlungen zum Abschluss des neuen Soldbündnisses zwischen Frankreich und den eidg. Orten 1777 sowie bei der Wiederherstellung des Friedens in den Genfer Wirren 1781-82. Durch die Franz. Revolution von 1789 wurde S. zu einem unnachgiebigen Verfechter der alten Ordnung. Dies machte ihn zum Gegenspieler von Karl Albrecht von Frisching, der gegenüber den revolutionären Forderungen Frankreichs eine vorsichtige Anpassungspolitik verfolgte. Nach der Abdankung der alten Regierung am 4.3.1798 stand S. bei den kämpfenden Truppen am Grauholz und floh schliesslich nach Süddeutschland ins Exil. Dort warb er als Anführer der Schweizer Emigranten in Berlin und Wien für Truppen, um die franz. Besatzer aus dem Land zu vertreiben und die alte Ordnung wiederherzustellen. S. starb gut zwei Monate nach dem Sieg der Franzosen bei Zürich von Ende Sept. 1799, als er von Augsburg aus erneut Widerstand gegen die Franzosen zu organisieren versuchte. Der letzte Schultheiss des Alten Bern lebt in Literatur und Kunst weiter, so im Roman "Die letzte Nacht der alten Zeit" von Lukas Hartmann (2007).

<b>Niklaus Friedrich Steiger</b><br>Bestattung des Altschultheissen im Berner Münster, 1805. Kolorierte Zeichnung eines unbekannten Künstlers (Bernisches Historisches Museum).<BR/>In der Mediationszeit, rund fünf Jahre nach Steigers Tod im Exil, beschloss der bernische Grosse Rat die Exhumierung und Überführung der sterblichen Überreste des Altschultheissen nach Bern. Das Begräbnis wurde mit grossem Pomp und militärischen Ehren gefeiert. Obgleich ursprünglich als Demonstration konservativer Politik geplant, wurde das Ereignis von den Anhängern der Helvetischen Republik gleichsam als Begräbnis des Ancien Régime empfunden.<BR/><BR/>
Bestattung des Altschultheissen im Berner Münster, 1805. Kolorierte Zeichnung eines unbekannten Künstlers (Bernisches Historisches Museum).
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Archive
– BBB, Nachlass
Literatur
Slg. bern. Biogr. 2, 1894, 550-560
– Feller, Bern 3 und 4
– K. von Steiger, Schultheiss Niklaus Friedrich von S., 1976

Autorin/Autor: Hans Braun