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Snell, Wilhelm

geboren 8.4.1789 Idstein (Hessen),gestorben 8.5.1851 Bern, ref., aus dem Herzogtum Nassau, 1833 Ehrenbürger von Liestal. Sohn des Christian Wilhelm, Rektors, und der Louise Simon. Bruder des Ludwig ( -> 1). ∞ Franziska Conradi. Gymnasium Idstein, Rechtsstud. in Giessen (Hessen). Unter dem Einfluss von Ernst Moritz Arndt gründete S. eine liberale Dt. Gesellschaft. 1819 war er Prof. in Tartu (Estland). 1820 flüchtete er nach Chur, dann nach Basel, wo er Lektor und ao. Prof. wurde. Bei der Kantonsteilung wirkte er als Rechtskonsulent von Basel-Landschaft. 1833 kurzzeitig Prof. in Zürich wurde er noch im gleichen Jahr an die Univ. Bern als Prof. für röm. Recht und Strafrecht, ab 1834 für Kriminalrecht berufen. 1834-35 war er der erste Rektor der Universität, 1836-38 Dekan der jurist. Fakultät. S. vertrat ein auf Jean-Jacques Rousseau und Immanuel Kant abgestütztes demokrat. Naturrecht. Zusammen mit seinem Bruder gehörte er zu den schärfsten Kritikern der liberalen bern. Regierung und die ganze radikale Führungsschicht von 1846 ging durch seine sog. junge Rechtsschule, so dass er massgebl. Einfluss auf die Bewegung ausübte und gemeinsam mit Ludwig als Haupt des Schweiz. Nationalvereins galt. 1845 wurde er aus polit. und moral. Gründen entlassen und ausgewiesen, weil er einer der Haupturheber der Freischarenzüge war. 1845-48 war er Landrat in Basel-Landschaft und hielt Vorlesungen in Liestal. Von den Radikalen wieder an die Universität zurückgeholt, an der er ab 1849 als Prof. für Naturrecht, franz. und bern. Zivilrecht wirkte, war S. als glänzender Redner das Idol der bern. Studentenschaft. 1851 versetzte ihn der konservative bern. Regierungsrat in den Ruhestand. 1819 Dr. h.c. der Univ. Giessen.


Werke
Naturrecht nach den Vorlesungen, 1857
Literatur
Wilhelm S.s Leben und Wirken, 1851
– F. Elsener, Die Schweizer Rechtsschulen vom 16. bis zum 19. Jh., 1975
Die Dozenten der bern. Hochschule, 1984, 58

Autorin/Autor: Christoph Zürcher