Steinach

Polit. Gem. SG, Region Rorschach, am Unterlauf des Flusses S. und am Bodensee gelegen. Die Gem. besteht aus den Dörfern Unter- und Obersteinach sowie den Weilern Karrersholz, Engensberg und Haslen. 782 Steinaha. 1800 464 Einw.; 1850 757; 1900 1'276; 1920 1'817; 1950 1'752; 2000 2'899.

In Untersteinach verfügte das Kloster St. Gallen schon im 9. Jh. über beträchtl. Besitz, inklusive eines Hafens, der den Pilgern und dem Warenumschlag diente. In Obersteinach besassen die Herren von S. im Hoch- und SpätMA neben ihrem Sitz Steinerburg Güter und Rechte im Dorf. 1358 erwarb Johann von S. zudem die Vogtei Untersteinach. 1459 trat der St. Galler Bürger Kaspar Ruchenacker die Vogtei S. an die Stadt St. Gallen ab. Sie wollte S. zu ihrem Hauptumschlagplatz am Bodensee machen und liess 1473 das Gredhaus (Kornhaus) sowie ein Wirtshaus bauen, musste den Ort aber nach dem St. Galler Krieg 1490 der Fürstabtei überlassen. Bis 1798 bildete S. ein Gericht des Rorschacheramts. 1509 erhielt S. eine neue Offnung, welche die mit der Stadt St. Gallen ausgehandelte von 1459 bzw. 1462 ersetzte, und 1560 eine Einzugsordnung. 1798-1803 gehörte S. zum Distrikt Rorschach im Kt. Säntis und kam 1803 im neu gegr. Kanton St. Gallen zum Bez. Rorschach, der bis 2002 bestand. Zur polit. Gem. S. zählten 1803-32 auch Tübach und Berg (SG).

845 ist in Untersteinach eine Kapelle und ab dem 10. Jh. eine Kirche erwähnt. Zur Pfarrei gehörte bis 1742 auch Tübach. Die heutige Pfarrkirche St. Jakobus und Andreas geht auf einen Bau von Jakob Grubenmann von 1742-43 zurück. Obersteinach, das 1674 eine Kapelle erhielt, gehörte bis ins 19. Jh. kirchlich zu Arbon.

S. lebte von der Landwirtschaft und der Fischerei, ab dem 17. Jh. trat die Leinwandherstellung hinzu. Der Hafen verlor im 19. Jh. an Bedeutung. Im Streit um den Anschluss an die Bahnlinie von Romanshorn nach Rorschach (1869) unterlag S. dem benachbarten Horn. Um 1900 blühte die Stickereiindustrie, die Wirtschaftskrise der 1920er und 30er Jahre führte zu einem Bevölkerungsrückgang. 1923 eröffnete die Raiffeisenkasse. Die regionale Kläranlage Morgental nahm 1973 ihren Betrieb auf. Ab den 1970er Jahren weiteten sich Gewerbe und Industrie aus, u.a. mit der Montagehalle von Saurer, die 1992 gut 980 Arbeitsplätze bot. Der Bootshafen von 1978 wurde zu Beginn des 21. Jh. vergrössert.


Literatur
– W. Müller, Die Herren von S., 1958, 1-29
S. SG, Orientierungsschr., 1975
– A. Schäfer, 50 Jahre Kirche S., [2008]

Autorin/Autor: Peter Müller