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Schnell, Johann [Hans]

getauft 28.4.1793 Burgdorf, gestorben 27.8.1865 Burgdorf, ref., von Burgdorf. Sohn des Johannes ( -> 4). Bruder von Johann Ludwig ( -> 6) und Karl ( -> 8). ∞ Louise geb. S., Tochter seines Cousins Samuel Ludwig ( -> 10). Schüler Johann Heinrich Pestalozzis in Burgdorf, Stud. der Medizin in Bern, ab 1812 in Tübingen, dort 1815 Dr. med., danach in Paris. Dort lernte S. 1816 Philipp Albert Stapfer, Benjamin Constant und Alexander von Humboldt kennen. Im gleichen Jahr eröffnete er eine Arztpraxis in Burgdorf. 1827 wurde er o. Prof. der Naturwissenschaften an der Berner Akademie. 1834 trat er zurück und eröffnete in Burgdorf eine Apotheke sowie eine chem. Fabrik auf seiner Besitzung Lochbach. Mit seinen Brüdern, v.a. mit Karl, baute S. ab 1814 die liberale Bewegung Berns auf. Im Oberländer Aufstand von 1814 wirkte er noch im Hintergrund. An den Versammlungen von Burgdorf vom 3.12.1830 und Münsingen vom 10.1.1831 trat S. als mitreissender Volksredner auf und benutzte den im selben Jahr gegr. "Berner Volksfreund" als Organ der liberalen Schnellenpartei. 1832-38 sass er im Gr. Rat (1837-38 Präs.). 1833 förderte er die Bundesrevision und war 1834 Tagsatzungsgesandter. Die drei Brüder S. wurden jedoch von den Radikalen herausgefordert und bewegten sich zum konservativen Lager hin. Als sich der Gr. Rat am 24.9.1838 gegen die Ausweisung von Charles Louis Napoleon Bonaparte aussprach, trat S. mit seinen Brüdern von allen polit. Ämtern zurück. 1843 liess er sich erneut in den Gr. Rat wählen (bis 1846) und kämpfte gegen den wachsenden Einfluss der Brüder Ludwig und Wilhelm Snell und ihrer radikalen Parteigänger. Nach dem Tod seines Bruders Karl 1844 übernahm er dessen Liegenschaft Sommerhaus in Burgdorf und zog sich zunehmend aus dem polit. Leben zurück. Dennoch trat S. am konservativen Volkstag in Münsingen vom 25.3.1850 gegen die radikale Regierung auf, in der er nur das ungesetzl. Freischarenregiment sah.


Werke
Meine Erlebnisse unter dem Freischarenregiment, 1850
Literatur
– E. Blösch, Eduard Blösch und Dreissig Jahre Bern. Gesch., 1872
Slg. bern. Biogr. 2, 1896, 335-341
Die Dozenten der bern. Hochschule, 1984, 41
– Junker, Bern 2

Autorin/Autor: Christoph Zürcher