05/01/2012 | Rückmeldung | PDF | drucken

Rorschacherberg

Polit. Gem. SG., Region Rorschach. Agglomerationsgemeinde ohne eigentl. Dorfkern, die sich bergwärts an die Stadt Rorschach anschliesst und bei Unterstaad, östl. von Rorschach, bis an den Bodensee reicht. Versch. Weiler von R., wie z.B. Koblen, Eschlen und Hüttenmoos, sind bereits im 13. und 14. Jh. bezeugt. Als geogr. Begriff ist Ro(r)schacherberg seit dem frühen 15. Jh. fassbar. 1468 21 Haushalte; 1831 1'108 Einw.; 1850 1'075; 1900 1'785; 1950 2'705; 2000 6'483.

Grabungsfunde (Keramikstücke und Knochenreste) auf dem Grundstück Burg zwischen Hof und Grueben sind teils der Bronzezeit (ca. 1'800-700 v.Chr.), teils der Latènezeit (5. Jh. v.Chr.) zuzurechnen. Das Gebiet des R.s gehörte im MA und in der frühen Neuzeit zum St. Galler Klosterstaat und bildete von der 2. Hälfte des 15. Jh. an eine Hauptmannschaft innerhalb des Gerichts Rorschach. Aus dieser ging 1724 die bis heute bestehende Korporation Vierhöfe (1698 in den vier höfen) hervor, die einst die Weiler Ennethof (heute Hof), Hohriet, Kolprüti und Fronberg umfasste und ein eigenes Gemeindereglement besass. Auf dem Boden von R. stehen die Schlösser St. Annaschloss, Wartensee, Wartegg und Wiggen. Das St. Annaschloss aus dem 12. Jh. war zunächst Sitz der Herren von Rorschach (erw. 1176), eines bedeutenden Ministerialengeschlechts der Fürstabtei St. Gallen. 1449 fiel das Schloss durch Kauf der Fürstabtei zu und diente bis 1660/70 als Sitz des fürstäbt. Vogts; heute ist es in Privatbesitz. Kirchlich gehört R. (1850 30 Reformierte, 1990 2'230, 2008 1'818) seit jeher zu Rorschach. 1803 wurde R. selbstständige polit. Gemeinde im neu geschaffenen Kt. St. Gallen im bis 2002 bestehenden Bez. Rorschach. Bemühungen um eine Angliederung an die Gem. Rorschach - zunächst v.a. seitens der Einwohner von R., später derjenigen von Rorschach - scheiterten im 19. Jh. und blieben auch 1919, 1953 und 1978 erfolglos. Um 1900 setzte in der zuvor bäuerlich geprägten Gem. ein wirtschaftl. Aufschwung mit der Gründung von Industrie- und Gewerbebetrieben ein: u.a. Starrfräsmaschinen AG (1897 Fabrikation von Fädelmaschinen, 2009 Starrag-Heckert-Gruppe), Kopp AG Textilveredlung (1888, seit 1992 Teil der Engelbert E. Stieger AG), Sabel AG Pianofabrik (1842-1919 Bieger). 1990 bot der 2. Sektor mit 58% überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze in der Gem., ein Wert der sich 2005 mit 25,7% dem schweiz. Durchschnitt angeglichen hatte. Die Nähe zur Stadt Rorschach, welche über wenig Boden verfügt, führte in R. seit 1950 zu einer starken Bautätigkeit und zur Verdoppelung der Einwohnerzahl. Zu Beginn des 21. Jh. war R. eine beliebte Wohngemeinde, die auch versch. überkommunale Aufgaben wahrnimmt. So wurde auf Gemeindeboden 1912 durch Adolf Gaudy mit Rorschach der gemeinsame Zentralfriedhof angelegt und 1981 ein regionales Pflegeheim eröffnet.


Literatur
Rorschacher Njbl., 1911-
– P. Hug, R., 1984 (21991)

Autorin/Autor: Lorenz Hollenstein