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Mutach, Abraham Friedrich von

geboren 9.11.1765 Bern, gestorben 2.7.1831 Bern, ref., von Bern. Sohn des Abraham, Hauptmanns, Grossrats und Rathausammanns, und der Elisabeth Jenner. ∞ Johanna Charlotte Elisabeth von Tscharner, Tochter des Ludwig Vinzenz. 1778-79 Gymnasium in Bern, danach Hohe Schule, ab 1781 Rechtsstud., 1784-85 in Göttingen (Dr. iur.). 1784 Hauptmann, 1795 Berner Grossrat, 1797 Major und Gesandter Berns nach Paris, 1798 Mitglied der Provisor. Regierung, 1802 Oberrichter der bern. Armee, in der Mediation Mitglied des Gr. und Kl. Rats sowie des Finanzrats. M. gründete 1806 die erste bern. Brandversicherungsanstalt, deren Plan er bereits in einer Preisschrift von 1789 entworfen hatte. Bedeutender war jedoch die Neugründung der bern. Akademie 1805, deren erster Kanzler (mit Unterbrechungen bis 1830 im Amt) er wurde. Seinem liberalen Geist ist die Berufung Samuel Ludwig Schnells auf die Professur für Zivilrecht zuzuschreiben. 1819-30 amtierte M. als Präs. der akadem. Kuratel. Ab 1814 war M. wieder Mitglied des Kl. Rats. Als Präs. der Vereinigungskommission für den Jura 1815 leitete er die Verfassungsänderung und die Einführung der bern. Verwaltung im Jura. Mit der Organisation des bern. Reformationsfestes 1828 suchte er auf die hist. Grösse Berns hinzuweisen. 1817-20 schrieb M. seine schon 1805 konzipierte "Revolutions-Geschichte der Republik Bern 1789-1815", die ihn als bedeutendsten Historiker des bern. Patriziats in der Restaurationsepoche ausweist. Er sah im Sturz und dem Wiedererstehen der Republik Bern und der Eidgenossenschaft einen von der Vorsehung gesteuerten Sonderfall der allg. Staatengeschichte, den es der Nachwelt zu überliefern galt. Anknüpfend an die bern. Tradition der amtl. Chronistik übergab er das Manuskript dem Kl. Rat mit der Auflage, dieses erst nach seinem Tod zu publizieren.


Literatur
– E. Burkhard, Kanzler Abraham Friedrich von M., (1765-1831), 1923
– H. von Greyerz, Nation und Gesch. im bern. Denken, 1953
– Junker, Bern 1

Autorin/Autor: Christoph Zürcher