Mörschwil

Polit. Gem. SG, Region Rorschach, westlich der Staatsstrasse Rorschach-St. Gallen zwischen der Steinach und der Goldach gelegen, bestehend aus M. und mehreren zerstreut liegenden Weilern und Höfen. 811 Maurini vilare, 1389 Mörswile. 1809 1'324 Einw.; 1850 1'249; 1900 1'584; 1950 1'649; 2000 3'116. Der Grossteil von Grund und Boden der späteren Gem. ging im 9. Jh. als Schenkung an das Kloster St. Gallen, das 1468 auch das Freigericht M. erwarb und ganz M. zu einem Gericht im Rorschacheramt machte. Von 1469 datiert die Offnung. Zur polit. Gem. M. (1803) gehörte bis 1826 auch Goldach. Kirchlich hing M. von Arbon ab, von dem es sich - gegen dessen Widerstand - 1633/49 löste (1510 Kapelle, 1699-1704 Neubau der heutigen barocken Pfarrkirche). Die Höfe Horchental und Hub unterstanden bis 1678 der Pfarrei Steinach, die Höfe Stag, Engwil und Lehn bis 1822 der Pfarrei St. Fiden. Waldschwestern im Steinachtobel (um 1250) und im Hundtobel (1417 erw.) wurden in dem 1616 in Rorschach gegr. (1905 nach Tübach verlegten) Kloster St. Scholastika vereinigt. Die Bewohner von M. lebten von der Landwirtschaft (u.a. Obstbau), der Heimarbeit (Leinwandweberei 15.-19. Jh.) und dem Fuhrgewerbe (äbt. Privileg vor 1696, Höhepunkt im 18. Jh.). Im 19. und 20. Jh. wurde sporadisch Schieferkohle abgebaut (erster Beleg 1827, zuletzt 1940-46) und Handstickerei betrieben (1860er bis 1920er Jahre), 1903 entstand eine Raiffeisenkasse. Von 1854 bis zum 1. Weltkrieg existierte ein Kurbetrieb in der Unteren Waid (mit internat. Kundschaft), seit 1924 ein Gymnasium der Salettiner-Patres. Dank der Bodenpolitik der Gem. verlief das Wachstum ab 1945 kontinuierlich, die Hofstruktur blieb bewahrt. 1856 erhielt M. eine Bahnstation, 1992 den Anschluss an das Busnetz der Stadt St. Gallen und wurde zur sozial gut durchmischten Agglomerationsgemeinde mit vielen Pendlern.


Literatur
– E. Spiess, M. zwischen Bodensee und St. Gallen 760-1900, 2 Bde., 1976

Autorin/Autor: Peter Müller