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Goldach

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Polit. Gem. SG, Region Rorschach. Die Gem. an der Verkehrsachse Rorschach-St. Gallen, deren Gebiet vom Bodensee zum Rorschacherberg ansteigt, umfasst die Teile Ober-G., Unter-G. und Riet. 789 Goldaha (Kopie), 847 Coldaun. 1850 785 Einw.; 1880 1'388; 1900 2'278; 1910 4'007; 1950 3'849; 1960 6'233; 2000 8'441.

Im FrühMA entstand eine alemann. Siedlung an der ehem. Römerstrasse Arbon-Bregenz. Im 8. und 9. Jh. kam das Kloster St. Gallen durch Schenkungen und Erwerb zu ansehnl. Grundbesitz in Unter-G. Die Vogteirechte besassen die Herren von Rorschach als Erblehen; erst 1449 gingen diese wieder in den Besitz der Abtei über. Grundherr von Ober-G. war das Hochstift Konstanz. Als Verwalter amtierten die Herren von Sulzberg bis 1399 im gleichnamigen Schloss (heute Möttelischloss, in Privatbesitz). 1463 gelang Abt Ulrich Rösch die Eingliederung G.s in den fürstäbt. Staat, indem er die Gerichtsherrlichkeit über Ober-G. von den St. Galler Brüdern Gnäpser als den Besitzern des Schlosses Sulzberg kaufte und mit dem Hochstift Konstanz die Lehensrechte über Ober-G. gegen die verpfändete Vogtei Horn tauschte (die Auslösung letzter Rechte und Güter des Hochstifts Konstanz erfolgte allerdings erst 1749). 1463 erhielt G. auch ein Dorfrecht. 1469 wurde Untereggen dem bis in die Helvetik bestehenden Gerichtsverband G. angeschlossen. Der Bau einer gedeckten Brücke über die G. um 1480 ermöglichte die Erstellung einer direkten Verbindung nach St. Gallen.

Dass in G. um 1000 eine Kirche bestand, ist archäologisch belegt; der heutige Bau wurde 1670 erstellt. Die erste urkundl. Erwähnung der St. Mauritiuspfarrei datiert von 1259. Die Patronatsrechte lagen lange in weltl. Hand (Herren von Arbon, Herren von Sulzberg, Ritter Hans von Adlikon) und kamen 1473 an die Abtei St. Gallen. 1529/30 trat G. zur Reformation über, kehrte aber schon 1532 zum alten Glauben zurück blieb dann bis Mitte des 19. Jh. geschlossen katholisch. 1662 und 1701 erfolgten die Ablösungen der Tochterpfarreien Eggersriet und Untereggen.

Neben Acker- und Rebbau, Fuhrgeschäfte und Mühlen (1670 Bau der Bruggmühle; Nähe zum Kornmarkt Rorschach) trat im 17. Jh. das Leinwandgewerbe (1658 Bleiche im Riet, drei Walken). G. wurde 1803 selbstständige polit. Gemeinde. Um die Mitte des 19. Jh. setzte ein wirtschaftl. Aufstieg ein, der an den steigenden Bevölkerungszahlen, dem allmähl. Zusammenwachsen von Ober-G. und Unter-G. (1889 Zusammenschluss) und der Zunahme der Gewerbe- und Industriebetriebe unter Nutzung der vorhandenen Wasserkraft (G. 1891 reguliert; Dorfbach, 1895 überdeckt) erkennbar war. Die Bruggmühle wurde 1855 zu einer Grossmühle erweitert. 1857 wurde ein Sägewerk, 1862 eine Granit- und Marmorsäge sowie 1886 eine Rolladenfabrik eröffnet. 1872-1900 war die Neumühle in Betrieb. Stickerei- und Modeindustrie brachten 1880-1910 eine Blütezeit, in welcher der Bahnhof (1886) gebaut und die Industriezone Riet geschaffen wurde. Hier erstellte die Stadt St. Gallen 1895 ihr erstes Trinkwasserpumpwerk sowie 1903 das städt. Gaswerk, das 1969 stillgelegt wurde. Der Zusammenbruch der Stickereiindustrie und der 1. Weltkrieg führten zu einem Unterbruch der wirtschaftl. Entwicklung, doch gelang in der Zwischenkriegszeit auf der Basis der breit gefächerten Industrie (Metall- und Rasierklingenfabrik, Druck- und Verlagswesen, Kosmetik) ein erster Wiederaufschwung. Nach 1945 entwickelte sich G. zunächst zur reinen Industriegemeinde. Von den 1950er Jahren an expandierten in Rorschach ansässige Firmen (Roco-Konserven, Feldmühle, Aluminiumwerke) nach G., das 1992 rund 3'600 Arbeitsplätzen aufwies (2000 2'477). Die Zonenplanung bremste ab den 1970er Jahren das industrielle Wachstum etwas ab und liess G. zu einer bevorzugten Wohngemeinde im Städtedreieck Rorschach-St. Gallen-Arbon werden. Die Mehrzweckhalle wurde 1984 errichtet.


Literatur
– J. Reck, 500 Jahre G., 1964
– J. Reck, «G. auf dem Weg zur Industriegem.», in Rorschacher Njbl. 66, 1976, 43-54
G., 41984

Autorin/Autor: Peter Müller