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Lerber, Beat Rudolf von

getauft 11.12.1788 Bern, gestorben 23.12.1849 Bern, ref., von Bern. Sohn des Franz Rudolf ( -> 6) und der Rosina Katharina Stürler. Bruder des Karl Anton ( -> 7). ∞ 1815 Sophie Hartmann, Tochter des Rudolf Friedrich, Arztes. L. erhielt eine umfassende Bildung. Er besuchte die Meisner'sche Lehranstalt, studierte Recht an der Akad. in Bern und 1809 in Heidelberg (bei Friedrich Carl von Savigny) und betrieb Studien in Geschichte und Linguistik (u.a. Persisch, Äthiopisch und Chinesisch). Es folgten Studienaufenthalte in Paris (1810), den Niederlanden und England (Ägyptologie). 1821 wurde er Berner Grossrat und wohnte ab 1825 in der Sulgeneckbesitzung in Bern. Der Erweckungsbewegung verbunden (Auguste Schaffter, Antoine Jean-Louis Galland, Ami Bost, Barbara Juliane von Krüdener), gründete er 1827 Berns erste Sonntagsschule und zusammen mit Emanuel von Goumoëns und Karl Stettler-von Rodt 1831 die Evang. Gesellschaft. 1830 knüpfte er Kontakte mit Giuseppe Mazzini. Sein biblizistisch begründetes Gleichheitsideal führte ihn zu den Liberalen. So reichte er 1831 eine Bittschrift ein mit einem ausformulierten Verfassungsentwurf. In der Flugschrift "Berns Verfassung freisinnig erklärt in Fragen und Antworten" (1835) sprach er der Aristokratie jegl. Legitimation ab, distanzierte sich von den Liberalen, die ihr Gleichheitsideal verraten hätten, und forderte die Gleichberechtigung der Frauen. 1835 trat er dem radikalen Schweiz. Nationalverein bei und publizierte in der Folge viele Aufsätze im "Schweiz. Beobachter". Der originellste Kopf der freisinnigen Patrizier Berns wurde zweimal in Presseprozessen lebenslänglich aus der Stadt verbannt, aber beide Male begnadigt. Die zweite Verbannung verbrachte er 1836-44 in Lausanne. 1842 dichtete er für die Grütliversammlung das "Schweizerlied". 1846 erfolgte der Bruch mit dem Radikalen Jakob Stämpfli und seinem bern. Volksverein.


Literatur
Slg. bern. Biogr. 5, 1906, 34-47
– E. Gruner, Das bern. Patriziat und die Regeneration, 1944
– H. von Greyerz, Nation und Gesch. im bern. Denken, 1953
– S. Junger, Beat Rudolf von L. (1788-1849), 2 Bde., evang.-theol. Akzessarbeit Bern, 1993
– C. Stuber, "Eine fröhl. Zeit der Erweckung für viele", 2000, v.a. 152-157

Autorin/Autor: Christoph Zürcher