22/08/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken

Maur

Polit. Gem. ZH, Bez. Uster. Am südwestl. Ufer des Greifensees gelegen, umfasst die Gem. neben M. die 1927 aufgehobenen Zivilgem. Aesch (Forch), Binz, Ebmatingen und Uessikon. 874/887 de Mure. 1798 1'623 Einw.; 1836 2'133; 1850 1'965; 1900 1'513; 1910 1'421; 1950 1'577; 1970 3'943; 2000 8'677.

Am Greifensee (Schifflände, Weierwiesen, Uessikon) neolith. (Pfyner und Horgener Kultur) und spätbronzezeitl. Ufersiedlungen. Grabhügel der Hallstattzeit im Maurholz. Röm. Mauerreste unter der heutigen Kirche. Frühma. Gräberfelder am Eggenberg unterhalb von Aesch sowie unter der Kirche M. Erste schriftl. Erwähnung im Grossmünster-Rotulus von ca. 876/888. Wenig später gingen Kirchensatz und niedere Gerichtsbarkeit an die Fraumünsterabtei über, die zur Verwaltung ihres Besitzes einen lokalen Meier einsetzte (ab dem 13. Jh. Sitz auf der Burg M.). Die heutige Kirche wurde 1507-12 (neugot. Turmrenovation im 19. Jh.) als Nachfolgegebäude einer älteren rom. Kirche (um 1200) erstellt, die ihrerseits zwei frühma. Vorgängerbauten (7. bzw. 9./10. Jh.) verdrängt hatte. Als Nachfolgerin des klösterl. Meieramts lebte die Gerichtsherrschaft M. innerhalb der Landvogtei Greifensee fort, 1424-1629/52 ununterbrochen im Besitz der Fam. Aeppli. 1775 verkaufte der letzte Gerichtsherr, der Künstler und Verleger David Herrliberger, die Gerichtsherrschaft an die Stadt Zürich. Die Burg stand hernach in Privatbesitz und erhielt mit dem Umbau Mitte des 19. Jh. ihr heutiges Aussehen. Nach der umfassenden Renovation 1974-75 wurde sie Sitz des Ortsmuseums und der praktisch lückenlosen Sammlung Herrliberger. 1798 gehörte M. zu den am dichtesten besiedelten Gemeinden des Kt. Zürich. Für über drei Fünftel aller Erwerbstätigen war damals die textile Heimindustrie die wichtigste Einkommensquelle. Das starke Bevölkerungswachstum während des 1. Drittels des 19. Jh. wurde - als Folge der misslungenen Mechanisierung der Textilindustrie - durch einen anhaltenden Rückgang bis zum 1. Weltkrieg abgelöst. Das ehedem hoch industrialisierte M. entwickelte sich dadurch "zurück" zur bäuerl. Insel zwischen der Stadt Zürich und dem industrialisierten Zürcher Oberland. Erst mit dem Einbezug in die Agglomeration Zürich setzte in den 1950er Jahren ein Aufschwung ein. Durch Zuzüger verbesserte sich die Finanzlage der Gemeinde rasch, die noch bis 1958 den kant. Finanzausgleich bezogen hatte. Wirtschaftlich ist M. stark nach aussen orientiert: 2000 stellte die Gem. 1'879 Arbeitsplätze, während etwa drei Viertel der Erwerbstätigen nach Zürich zur Arbeit pendelten (v.a. mit dem Auto).


Literatur
Kdm ZH 3, 1978
– F. Aeppli, Gesch. der Gem. M., 1979
Die ersten Bauern 1, Ausstellungskat. Zürich, 1990, 177-189

Autorin/Autor: Felix Aeppli