Häggenschwil

Polit. Gem. SG, Region St. Gallen. Die Gem. umfasst die Siedlungen H., Lömmenschwil, kleinere Weiler sowie die Exklaven Raach und Ruggisberg. 1419 Hergnschwylen. 1808 1'049 Einw.; 1850 935; 1900 926; 1950 908; 1980 787; 2000 1'143. Auf dem Gemeindegebiet wurde ein Grabhügel mit Brandbestattung, vermutlich aus der Hallstattzeit, entdeckt. Eine dauernde Besiedlung ist seit dem FrühMA nachgewiesen. Es entstanden Einzelhöfe, u.a. der später in zwei Teile zerfallene Hof H., am Sittergraben die Burgen Alt-Ramswag und Neu-Ramswag sowie die sog. Waldburg, das mutmassl. Refugium der Mönche des Klosters St. Gallen beim Ungarneinfall von 926. Zwischen dem 8. und dem 10. Jh. bildete sich die Grundherrschaft des Klosters St. Gallen über das nachmalige Gemeindegebiet heraus. Dieses wurde bis zur Entstehung der polit. Gemeinde H. nach der ursprünglich bedeutendsten Siedlung Lömmenschwil genannt und stellte innerhalb des Landshofmeisteramts der Fürstabtei St. Gallen eine Hauptmannschaft des Hofgerichts dar. Kirchlich gehörten die Gemeindeteile versch. Pfarreien an, bis 1728 eine eigene Pfarrei mit Notker-Patrozinium geschaffen wurde. Der Standort der Kirche beim Doppelhof H. förderte die Entwicklung des Dorfs, so dass dieses die Siedlung Lömmenschwil bald an Bedeutung übertraf und der 1803 gegründeten polit. Gem. den Namen gab. H. war 1803-31 dem Bez. Rorschach, 1831-1918 dem Bez. Tablat und 1918-2002 dem Bez. St. Gallen zugeteilt. Wirtschaftlich dominierte in H. bis ins 19. Jh. der Ackerbau, wobei bis zum Ende des Ancien Régime die Dreizelgenordnung galt. Im 19. Jh. setzten sich Milchwirtschaft, Viehzucht (1903 Viehzuchtgenossenschaft) und Obstbau (1917 Obstverwertungsgenossenschaft) durch. Daneben wurde von alters her Heimarbeit für die St. Galler Textilindustrie geleistet. Von der Industrialisierung wurde H., das seit 1910 ans Netz der Bodensee-Toggenburg-Bahn (heute Südostbahn) angeschlossen ist, nur am Rand berührt (Stickereifabrikation). Trotz eines industriellen Lebensmittelbetriebs (1963), einer Grosstankanlage, Gewerbebetrieben und Wegpendlern ins nahe St. Gallen blieb der bäuerl. Charakter H.s bis heute gewahrt.


Literatur
– J. Reck et al., Gesch. der Gem. H., 1972

Autorin/Autor: Marcel Mayer