Tauredunum

Name eines nicht eindeutig lokalisierten Bergs im Wallis, an dem sich 563 n.Chr. ein Bergsturz ereignete. Gemäss Gregor von Tours ("Decem libri historiarum" 4, 31) stürzte die Rüfe in eine Enge, verschüttete ein castrum und behinderte die Rhone, worauf sich ein See aufstaute. Der Damm gab schliesslich nach, wobei das sich in den Genfersee ergiessende Wasser eine Flutwelle auslöste, die Genf erfasste. Wenn man dieser Version glaubt, müsste der Bergsturz in einer Enge oberhalb von Saint-Maurice niedergegangen sein. Dies erscheint aber nicht glaubwürdig, denn ein Rutsch dort hätte zweifelsohne die Abtei Acaunum (Saint-Maurice) zerstört, was nicht der Fall war. Die Entdeckung eines Grabs mit kelt. Beigaben in geringer Tiefe 1861 beweist vielmehr, dass die Region oberhalb der Abtei nicht von einem solchen Rutsch erfasst worden ist. Plausibler erscheint daher der Bericht in der Weltchronik des Marius von Avenches (Chron. ad annum 563), gemäss dem der Berg gleichzeitig auf ein castrum und in den See (resp. ins Rhonedelta) stürzte und so die Flutwelle bis Genf auslöste. Der Bergsturz wäre demnach am Nordhang des Grammont zu situieren.


Literatur
– P.E. Martin, La Suisse à l'époque mérovingienne, 1910, 125-137
– J.-B. Bertrand, D. Fournier, «Encore le T.: un serpent de mer valaisan», in Ann. val. 1936, 1-38
– G. Reymond, Prodiges, loups et chroniqueurs, 1981, 389-519
– K. Kremer et al., «Giant Lake Geneva tsunami in AD 563», in Nature Geoscience, 5, 2012, 756 f.

Autorin/Autor: Justin Favrod / CN