Schwende

Bez. AI, 57,5 km2 gross, umfasst die südwestlich der Sitter gelegenen Teile des Orts Appenzell (u.a. das nach 1958 angelegte Quartier Forren), das sich weiter südlich erstreckende Streusiedlungsgebiet mit der Siedlung S., den westlich des Schwendebachs bzw. der Sitter und südlich des Brüelbachs gelegenen Teilen des Strassendorfs Weissbad (Sitz der Bezirksverwaltung) und Wasserauen sowie den grössten Teil des Alpsteins bis zum Gipfel des Säntis. Zu S. gehören die Kirch- und die Schulgemeinde von S. sowie Teile derjenigen von Appenzell und Brülisau. Der Bezirk ging 1873 aus der gleichnamigen Rode hervor, die wohl zwischen 1204 und 1220 entstanden ist. 1801 799 Einw.; 1850 1'101; 1900 1'299, 1950 1'410; 2000 1'935.

Zahlreiche Steinwerkzeuge aus Ölquarzit und Radiolarit aus den Höhlen im Wildkirchli - dieser Name stammt von der in einer der Grotten im 17. Jh. eingerichteten Kapelle - belegen sommerl. Jagdzüge der Neandertaler ins Gebirge. In S. stand neben der Pfarrkirche ein Turm (vor 1830 noch Überreste auszumachen, vielleicht Sitz der Herren von Doppelstein, wohl Ministeriale des Abts von St. Gallen). Nach einer Sage sollen ihn die Schwendner zerstört und damit die Appenzeller Kriege (1401-29) ausgelöst haben, evtl. einer der Gründe, weshalb die Rhode S. noch zu Beginn des 21. Jh. gelegentlich eine gewisse Vorrangstellung gegenüber den anderen inneren Rhoden beansprucht. S. wurde 1767 Filialkuratie von Appenzell (Taufrecht 1768) und erst 1914 eine selbstständige Pfarrei. Die 1766-67 anstelle einer Kapelle von 1623 errichete Kirche wurde 1928-29 durch einen neubarocken Bau von Adolf Gaudy ersetzt (1877 Patroziniumswechsel von Allerheiligen zu St. Martin). Um die Filialkirche und das Schulhaus von 1890 scharten sich in S. mit der Zeit einige Gasthäuser und Läden. Der Badetourismus in Weissbad (Rietli) ist seit 1740 belegt. Im 19. und frühen 20. Jh. entwickelte sich Weissbad zu einem gehobenen Kurort. Im übrigen Bezirk entstanden ab Mitte des 19. Jh. weitere tourist. Betriebe, darunter auch viele Berggasthäuser (u.a. 1846 die Wirtschaft auf dem Säntis), und einige Gewerbeunternehmen. Lange Zeit herrschte in S. die Viehzucht vor, bis weit ins 20. Jh. blühte die Handstickerei als Nebenerwerb der Bäuerinnen. Erschlossen wird der Bezirk durch die Strasse von Appenzell nach Wasserauen, die 1867-69 angelegt wurde. Die sog. Säntisbahn (seit 1947 Teil der Appenzeller Bahnen) eröffnete 1912 die Strecke zwischen Appenzell und Wasserauen. Die Luftseilbahn Wasserauen-Ebenalp verkehrt seit 1955.


Literatur
– J.A. Bürke, Geschichtliches über die neue Pfarrei St. Martin in S. App. J.-Rh., 1933
Appenzell. Geschichtsbl. 7-10, 1945-48
AppGesch. 1; 3
Kdm AI, 1984

Autorin/Autor: Hermann Bischofberger