28/11/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Gonten

Bez. AI, Innerer Landesteil. Umfasst das Strassendorf G. sowie die Weiler Gontenbad und Jakobsbad. Der Bez. G. entstand 1873 aus Gebieten der Rhode G. und den Halbrhoden Stechlenegg und Rinkenbach. Um 1200 Gumbton. Rhode G.: 1713 910-955 Einw.; 1850 1'202; Bez. G.: 1880 1'556; 1900 1'594; 1910 1'621; 1950 1'462; 1970 1'209; 1990 1'419; 2000 1'379.

Spätbesiedeltes land- und forstwirtschaftlich genutztes Einzelhofgebiet mit dem Siedlungskern G., der um 1800 bloss 21 Häuser zählte. Die Kirche St. Verena wurde 1452 gebaut. 1531 zogen die Gontner bewaffnet nach Appenzell, um den kath. Gottesdienst wieder einzuführen, wodurch Appenzell paritätisch (bis 1588) wurde. 1647 trennte sich die Kaplanei G. von Appenzell und wurde zur selbstständigen Pfarrei. Im 17. und 18. Jh. war G. ein bekannter Wallfahrtsort (Maria zum Trost). Seit 1464 ist die St.-Jakobs-Kapelle auf dem Kronberg belegt. 1863-65 entstand in G. die neugot. Pfarrkirche nach den Plänen von Joseph Spalt aus Ruggell (FL) mit Unterstützung von Theodosius Florentini. Seit 1873 besteht die Kirchgemeinde, die sich nicht mit dem Bezirk deckt. Erst 1895 wurde die Schul- von der Kirchgemeinde getrennt.

Der Weiler Gontenbad verdankt seine Entwicklung dem seit 1576 belegten Badebetrieb. Nach dessen Einstellung 1933 entstand daraus ein Altersheim. Schon 1931 begann die Mineralquelle Gontenbad AG mit dem Verkauf von Alpstein-Sprudel und Appenzeller Citron. Eine gewisse Entwicklung erlebte G. durch den Anschluss an die Appenzeller Bahn 1886. Der Bau der Luftseilbahn von Jakobsbad auf den Kronberg 1963-64 förderte den Wandertourismus. 1993-97 wurde ein Golfplatz errichtet. Nach 1973 wuchs das Dorf G. dank gezielter Baulandpolitik (Wohn- und Gewerbebauten). An die bis in die 1970er Jahre betriebene Torfstecherei erinnert der Ortsname (vom rom. Lehnwort gall. Herkunft gonton = "Wasserlache"). Während des 2. Weltkriegs waren etwa 100 Personen im Torfabbau beschäftigt. Wirtschaftl. Basis ist bis heute die Landwirtschaft mit Spezialisierung auf Gras- und Milchwirtschaft sowie Schweinezucht. Dank Letzterer konnten sich viele der z.T. hoch verschuldeten Betriebe halten. Bis in die 1960er Jahre war die Handstickerei der Frauen eine wichtige Einkommensquelle. 1954-87 entstanden vier Holzbaubetriebe und ein Sägereiwerk.


Literatur
AppGesch 1 und 3
Kdm AI, 1984, 403-420, 431-436
– F. Stark, Aus Heimat und Kirche, 1993
– A. Weishaupt, Gesch. von G., 2 Bde., 1997

Autorin/Autor: Hermann Bischofberger