No 45

Keller, Heinrich

geboren 6.2.1771 Zürich, gestorben 21.12.1832 Rom, ref., ab 1798 kath., von Zürich. Sohn des Hans Kaspar ( -> 41). ∞ 1798 Clementina Tosetti, aus Rom. Ab 1789 Rechtsstud. in Bern. 1791 lernte K. den Bildhauer Joseph Maria Christen kennen, dem er als Lehrling nach Stans und Luzern folgte. 1794 reiste er über Florenz nach Rom, wo er fortan lebte und mit Altertumsforschern wie Georg Zoëga und Karl Ludwig Fernow und Künstlern und Künstlerinnen wie Asmus Jakob Carstens, Bertel Thorvaldsen, Angelika Kauffmann und Friederike Brun verkehrte. Die Schweiz besuchte er nur noch zwei Mal, 1805 und 1822. Wegen seiner dem dt. Klassizismus verpflichteten bildhauer. Werke "Diomedes mit dem Palladium" (1796), "Atalanta" (1796-1820) und der oft reproduzierten "Geburt der Venus" (1799) wurde K. als Nachfolger Alexander Trippels gefeiert. Als letztes grösseres plast. Werk schuf er den "Kenotaph Friedrichs von Graffenried" (1812).

K. machte sich auch als Journalist, Lyriker, Übersetzer und Theaterautor einen Namen. Bereits 1798 waren seine ersten Elegien im "Musenalmanach" erschienen. Wegen eines Lungenleidens und eines Unfalls widmete er sich ab 1803 vermehrt dem Schreiben und dem Marmorhandel. Es entstanden u.a. die Dramen "Ines del Castro" (1808), "Judith" (1809), "Vaterländische Schauspiele" (3 Bde., 1813-16) und "Trauerspiele" (1816). Seine Heirat mit einer Römerin und die Konversion zum Katholizismus verschafften ihm Zugang zu röm. Ämtern. 1804 wurde K. Dolmetscher-Sekretär der röm. Congregatio de Propaganda Fide (Kongregation für die Evangelisierung der Völker), 1810 Mitglied der Accademia Pontifica di Archeologia und ausserdem korrespondierendes Mitglied der Dänischen Archäolog. Gesellschaft. K. publizierte 1830 einen Atelier- und Künstlerführer durch Rom und förderte auch sonst jüngere Künstler, u.a. aus dem Kreis der Nazarener.


Archive
– KHZ
Literatur
– B. Wyss, Heinrich K., 1891
BLSK, 566 f.

Autorin/Autor: Dieter Ulrich