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Fabri, Adhémar

Erw. 9.4.1353, gestorben 8.10.1388 Avignon. Der Name F., die lat. Form des franz. Favre, blieb in der Überlieferung erhalten. Als Vorname ist sowohl das franz. Aymar als auch das provenzal. Adhémar, das die lokale Nachwelt übernommen hat, gebräuchlich. F. stammte aus einer Fam. von Notabeln aus La Roche-sur-Foron (Hochsavoyen). Er war Mitglied des Dominikanerordens und 1353-57 Prior des Konvents Genf. Papst Urban VI. übertrug ihm 1363 das Bistum in partibus Bethlehem. 1366-77 ist F. als Hilfsbischof des Bistums Genf erwähnt. Im Sommer 1378 versetzte ihn Urban VI. auf Empfehlung des Kardinals Robert von Genf ins Bistum Saint-Paul-Trois-Châteaux (Drôme). Doch da die Kollaturbulle wahrscheinlich wegen des Grossen Schismas nicht abgeschickt wurde, erneuerte Robert von Genf - nun als Papst Clemens VII., dessen Vertrauter und Beichtvater F. war - im Nov. 1378 die Ernennung. Im Juli 1385 wurde F. anstelle von Jean de Murol, der ebenfalls ein Vertrauter von Clemens VII. war, Bf. von Genf. Da F. mit den Aufgaben des Papstes beschäftigt war, wohnte er in dessen Nähe, meist in Avignon. Wahrscheinlich ging er nur ein einziges Mal nach Genf, um am 23.5.1387 für sich und seine Nachfolger, Bf. von Genf und Herren der Stadt Genf, "alle Freiheiten, Freibriefe, Immunitten und Gewohnheitsrechte" dieser Stadt zu bestätigen. Daher ist F. der einzige Bischof des ma. Genf, der heute noch bekannt ist. Während mehrerer Jahrhunderte wurden die "Franchises d'Adhémar F.", wie diese Ratifizierung gemeinhin genannt wurde, von den Genfern als Grundlage ihrer kollektiven und persönl. Freiheiten angesehen.


Literatur
HS I/3, 93 f., 117; IV/5, 377 f.
– C. Lapaire et al., Libertés, franchises, immunités, us et coutumes de la ville de Genève, Ausstellungskat. Genf, 1987, (lat. Text mit franz. Übersetzung)

Autorin/Autor: Louis Binz / CN