Bagnyon, Jean

geboren Verm. 1412 Bretonnières,gestorben nach 1497. Stud. der Rechte, 1461 Reichsnotar in Lausanne. Auf Anfrage des Domherrn Henri Bolomier schrieb B. zwischen 1465 und 1470 eine Gesch. Karls d.Gr. nach lat. (Vincent de Beauvais, Pseudo-Turpin) und franz. Quellen (Heldenlied des Fierabras). Dieser erste gedruckte Roman in franz. Sprache (Erstausgabe Genf, 1478) fand noch bis ins 17. Jh. seine Leserschaft und wurde ins Englische, Spanische und Deutsche übersetzt. Ab 1479 begann sich B. polit. zu betätigen. Im Jan. 1481 wählten ihn die Bürgermeister an die Spitze jener Bewegung, die die Altstadt mit der unteren Stadt vereinigen wollte, im Juli konnte B. die entsprechende Urkunde ausstellen, im Sept. wurde er zum Bürgermeister gewählt. Einige Jahre später verliess er Lausanne und liess sich in Genf nieder, wo ihm seine Abhandlung über die Freiheiten von Genf am 6.4.1487 das Bürgerrecht einbrachte ("Tractatus potestatum dominorum et libertatum subditorum", 1487). Nach 1497 verliert sich seine Spur.


Werke
Histoire de Charlemagne, hg. von H.-E. Keller, 1992
Literatur
– H.-E. Keller, «Jehan B., pseudo-chroniqueur du XVe siècle», in Et c'est la fin pour quoy sommes ensemble, 1993, 783-792
– Francillon, Littérature 1, 33 f.

Autorin/Autor: Marc-René Jung / SK