Schwarzbubenland

Volkstüml. Name der solothurn. Amtei Dorneck-Thierstein, 1865 erstmals belegt. Der Ausdruck Schwarzbuben als Schimpfname für die Bevölkerung erscheint dagegen schon ab 1813. Die Bezeichung stammt vermutlich vom Verb schwärzen, d.h. schmuggeln, und entstand in der Revolutionszeit, als das S. an Frankreich grenzte. Eher unwahrscheinlich ist die Herleitung von der schwarzen Bekleidung, der Konfession oder polit. Ausrichtung (Schwarzbubenfahne am Volkstag von Balsthal 1830). Das S. umfasst alle Gebiete nördlich des Passwangs, die Solothurn im Verlauf des 15. und 16. Jh. durch Aufkauf von Rechten und Herrschaften oder gewaltsam erworben hat. Diese Gebiete wurden zusammengefasst zu den drei Vogteien Dorneck, Thierstein und Gilgenberg, im 19. Jh. zu den zwei Bez. Dorneck und Thierstein. Da die Jurakette das S. vom südl. Teil des Kantons trennt, richten sich dessen Wirtschaft und teilweise auch dessen Kultur nach Basel-Stadt und Basel-Landschaft aus. Von dort kamen auch die ersten vorindustriellen Ansätze für Heimarbeit (u.a. Weberei, Posamenterei). Die beiden Bezirkshauptorte Dornach und Breitenbach entwickelten sich ab dem ausgehenden 19. Jh. zu Industriezentren. Im 20. Jh. wuchs die Kooperation mit den beiden Grenzkantonen Basel-Landschaft und Basel-Stadt im Gesundheits-, Sozial- und Schulwesen. Seit 1969 besteht in Laufen das Gymnasium Laufen-Thierstein.


Literatur
– A. Fringeli, Landschaft als Schicksal, 1979 (21987)
– P. Walliser, «Wirtschaftl. und soziale Verhältnisse im S. während der zweiten Hälfte des 19. Jh.», in JbSolG 64, 1991, 155-221
– R.M. Kully, Solothurn. Ortsnamen, 2003, 96-99, 135-142
Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Dorneck-Thierstein, hg. von M. Gasser, T.F. Schneider, 2011, 7-22, 906 f.

Autorin/Autor: Lukas Schenker