Hegenheim

Gem. im franz. Dep. Haut-Rhin in der Agglomeration von Basel. 1230 Hegenheim. 1720 62 Haushalte; 1788 291; 1789 1'322 Einw.; 1841 2'151; 2004 2'576. H. gehörte zeitweise zum Bistum Basel; die Kirche Saint-Rémy ist seit dem 14. Jh. bezeugt (Neubau Ende 18. Jh.). Vom 15. Jh. an war H. im Lehen der Bärenfels, ab 1692 der de Barbier. Bis 1798 gehörte Burgfelden zu H. 1939-45 wurden alle Einwohner in die franz. Region Landes evakuiert. Nach 1960 entwickelte sich H. zu einer Schlafgemeinde mit vielen Pendlern.

Ab dem 17. Jh. liessen sich viele Juden in H. nieder, 1694 solche aus Birseck und Allschwil (1689 14 jüd. Fam.; 1784 83 Fam. bzw. 409 Einw.; 1851 725; 1905 110; 1954 20). Den 1673 eingerichteten jüd. Friedhof benützen bis heute auch andere jüd. Gem. aus dem Elsass und der Schweiz. Ab 1789 kam es wiederholt zu Judenverfolgungen im Sundgau; die 1740 errichtete Synagoge wurde 1815 zerstört (1821 Wiederaufbau). 850 Juden wurden zwischen Febr. und April 1848 während des "Judenrumpels" zeitweise vertrieben. Das Rabbinat H. war von 1805 bis zur Emanzipation der Juden 1866 auch für Basel und andere jüd. Gem. der Schweiz zuständig; der Rabbiner Moses Nordmann (Amtszeit 1834-84) war ein Vorkämpfer der Gleichberechtigung der Juden in der Schweiz. In der 1. Hälfte des 19. Jh. war die jüd. Gem. H.s die achtgrösste in Frankreich; 1838 waren mehr als ein Drittel der Bevölkerung Juden. Ab 1870 wanderte die jüd. Bevölkerung als Folge der Emanzipation in der Schweiz und des Deutsch-Franz. Kriegs ab. 1956 löste sich die jüd. Gem in H. auf. Die Synagoge dient heute als Künstleratelier.


Literatur
Le Haut-Rhin: dictionnaire des communes 2, 1981, 576-579
Encyclopédie de l'Alsace 6, 1984, 3800
– P.E. Hyman, The Emancipation of the Jews of Alsace, 1991
– M. Rothé, M. Warschawski, Les synagogues d'Alsace et leur histoire, 1992
– R.M. Jung, «1848: der Judenrumpel und H.», in Maajan = Die Quelle, 1998, H. 47, 1243-1253
– G. Hüttenmeister, L. Rogg, Der jüd. Friedhof in H., 2004

Autorin/Autor: Eve-Mirjam Hoffmann-Wohlmann