20/08/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken

Rehetobel

Polit. Gem. AR, ehem. Bez. Vorderland, welche das gleichnamige Dorf sowie mehrere Weiler und Einzelhöfe umfasst. 1463 an das Rechtobel. 1743 1'643 Einw.; 1813 1'860; 1818 1'587; 1850 1'984; 1900 2'184; 1910 2'416; 1950 1'740; 1980 1'416; 2000 1'742. Bereits um 1300 sind Neuschwendi und Klingenbuech als abgabepflichtige Höfe des Bistums Konstanz erwähnt, welches wohl vom Kelhof Horn aus die Erschliessung des Raumes Eggersriet-R. gefördert hatte. Nach den Appenzeller Kriegen (1401-29) kam das Gebiet von R. mit dem restl. Vorderland zur Rhode Trogen. Kirchlich gehörte es vom HochMA an zur Pfarrei Goldach, dann ab 1463 zur neuen Kirchhöri Trogen, mit welcher es 1525 zur Reformation übertrat. Trotz heftigem Widerstand der Muttergemeinde kam es 1669 zur Verselbstständigung von Trogen und zur Gründung der Gem. und der Kirchgemeinde R. Um die im selben Jahr erbaute Kirche (Neubauten 1737 von Jakob Grubenmann und nach dem Dorfbrand von 1890) entstand innerhalb der Streusiedlung bald ein kleiner Dorfkern. Der Bau der kath. Kirche erfolgte 1976-77.

Wirtschaftl. Grundlage bildeten Landwirtschaft, Handwerk und Weberei. Um 1840 war R. neben Herisau führend in der Herstellung weisser Baumwollgewebe. Die kapitalkräftigen Fabrikanten dominierten die Rehetobler Politik. Die Stoffdruckerei wurde seit 1770 im Dorf betrieben, drei Webfabriken wurden zwischen 1848 und 1862 gegründet. Der Stickereiboom liess 1900-10 die zuvor rückläufige Bevölkerungszahl emporschnellen und führte zu einer markanten Vergrösserung des Dorfkerns. Infolge der Abhängigkeit von der Textilindustrie traf die folgende Krise R. besonders hart. Noch 1975 war die modernisierte Textilindustrie grösste Arbeitgeberin, allerdings mit schwindender Bedeutung. Eine Firma zur Leiterplattenfabrikation liess sich 1985 nieder. Der 1871 eingerichtete Postkutschenkurs nach St. Gallen wurde 1920 durch eine Busverbindung ersetzt. Ende des 19. Jh. wurde R. zunehmend zum Fremdenverkehrsort; zahlreiche Kinderheime und -pensionen entstanden in den 1930er Jahren. 2005 stellte der 1. Sektor knapp 12%, der 2. gut 27% der Arbeitsplätze.


Literatur
– W. Schläpfer et al., Gesch. der Gem. R. 1669-1969, 1969

Autorin/Autor: Thomas Fuchs