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Grub (AR)

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Polit. Gem. AR, bis 1995 Bez. Vorderland. Umfasst das Dorf sowie versch. Weiler und Einzelhöfe. 1488 uss der Gruob. 1667 543 Einw.; 1734 890; 1818 715; 1850 967; 1900 1'017; 1950 702; 1970 623; 2000 1'038. Die frühesten Hofnennungen im 13. und 14. Jh. deuten auf Besiedlung von Rorschach und Goldach (Westteil) her hin. Die Edlen von Rorschach als Lehensleute des Klosters St. Gallen schienen dabei wirtschaftl. Hauptnutzniesser gewesen zu sein. Nach den Appenzeller Kriegen 1401-29 wurde G. aufgeteilt zwischen dem neuen Land Appenzell und dem Kloster St. Gallen (Grub (SG)); appenzellisch G. wurde an die Rhode Trogen angeschlossen. 1458 Grenzbereinigung. Die eigentl. "Grub", eine Mulde im östl. Gebiet, war bis 1495 Rorschacher Allmend. Kirchgenössisch war das östl. Gebiet von G. bis 1474 nach Rorschach, der Westteil bis 1603 nach Goldach. 1474 gab der Abt von St. Gallen die Erlaubnis zum Bau einer Kapelle als Tochterkirche Rorschachs in appenzellisch G. Dieses scheint seither auch über eigene Behörden verfügt zu haben. 1525 Übertritt zur Reformation. Von 1589 an bestand eine parität. Kirche, an der auch die Katholiken von sankt-gallisch G. das Benutzungsrecht hatten. Der Westteil des Gruber Gebiets kaufte sich 1603 in die ref. Kirchhöri G. ein. 1751 erfolgte die Auslösung der Katholiken und der Bau einer kath. Kirche in sankt-gallisch G., 1752 der Neubau der ref. Kirche in appenzellisch G. Das Gemeindezentrum um die Kirche entwickelte sich erst in der 2. Hälfte des 19. Jh. vom Weiler zum Dorf. Haupterwerbszweige bildeten wie überall in Ausserrhoden Landwirtschaft und Textilgewerbe. Die Einführung der Baumwolle um 1750 liess einige Bewohner von G. zu Textilfabrikanten aufsteigen. Im 19. Jh. bestanden eine Bleicherei und zwei Zwirnereien. Von ca. 1870 bis 1920 dominierten Plattstichweberei und Stickerei. In der Zwischenkriegszeit verarmte G. Ab 1964 erstellte Neubauquartiere zeugen von der zunehmenden Beliebtheit G.s als Wohngemeinde. G. wies 1970-90 das höchste prozentuale Bevölkerungswachstum aller Ausserrhoder Gem. auf. 2000 waren zwei Drittel der in G. wohnhaften Erwerbstätigen Wegpendler. Die Zahl der Bauernbetriebe sank 1939-2000 von 69 auf 16. Öffentl. Aufgaben werden seit 1970 vermehrt in Zweckverbänden wahrgenommen; so wird die Primarschule gemeinsam mit sankt-gallisch G. geführt (seit 1978), die Sekundarschule in Wolfhalden besucht und das Grundbuch seit 2001 durch die Gem. Heiden betreut. Mineralbad in Unterrechstein, seit 1982 modernes Heilbad.


Literatur
– O. Kleger, W. Züst, G., 1975
Kdm AR 3, 1981, 111-150
Appenzeller Tbl., 10.8.1993
Appenzeller Ztg., 22.3.2001

Autorin/Autor: Thomas Fuchs