11/11/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Fällanden

Polit. Gem. ZH, Bez. Uster. Die Agglomerationsgem. am nordöstl. Abhang der Pfannenstielkette umfasst das Dorf F. (um 820 Fenichlanda), die ehem. Hofsiedlungen Benglen, Pfaffhausen und Neuhausen. 1634 284 Einw.; 1799 632; 1850 848; 1900 696; 1950 866; 1970 4'260; 1990 6'489; 2000 6'423. Das Gebiet vom Greifensee bis unter das heutige Dorf war in prähist. Zeit besiedelt. Archäologisch belegt sind mesolith., neolith. und bronzezeitl. Siedlungsplätze.

Wichtige Grundherren im MA waren das Fraumünster und das Grossmünster. Letzteres besass auch einen Grossteil des Zehnten. Das Meieramt, ein Lehen des Fraumünsters, trugen im 13. Jh. die Mülner als Lehen. Die Vogteirechte lagen bis 1300 bei den Gf. von Rapperswil, sie gelangten mit der Herrschaft Greifensee 1402 an Zürich. Bis 1798 gehörte F. zum Amt Greifensee, während der Helvetik zum Distrikt Uster, 1803-14 zum gleichnamigen Bez., danach zum Oberamt Greifensee, seit 1830 wieder zum Bez. Uster. Die 1271 erw. Kapelle (Patron 1317: Johannes Baptista) wurde 1428 erweitert und als Pfarrkirche geweiht. Das Kollaturrecht der nochmals umgebauten und 1492 neu geweihten Kirche gelangte Ende des 15. Jh. vom Grossmünster an die Gem., die es aber 1552 aus finanziellen Überlegungen der Stadt abtrat.

Angesichts der wachsenden Bevölkerung beschränkte die Gem. mit Einzugsbriefen von 1587, 1627 und 1630 den Zugang zu den dörfl. Nutzungsrechten. 1787 wies F. mit über 50% der Einwohner in der Baumwollspinnerei und -weberei einen der höchsten Heimarbeiteranteile des Kantons auf. 1784 wurde das öffentl. Riedland, 1800 der Gemeindewald aufgeteilt. Die Übernutzung des Waldes zwang 1806 zur vorübergehenden Rücknahme der Privatisierung. Abseits der Verkehrswege (kein Bahnanschluss) wurde F. nur sehr zögernd industrialisiert. Erst 1907 liess sich mit Förderung der Gem. eine Seidenweberei nieder. Im 2. Weltkrieg wurde in der Glattebene ein grosses Meliorationsprojekt durchgeführt. Mit grossflächigen Überbauungen in Pfaffhausen und Benglen wandelte sich F. zwischen 1950 und 1980 zur Pendlergemeinde.


Literatur
Kdm ZH 3, 1978, 605-618
– R. Sablonier, F., 1986
– M. Leonhard, Fällander Dorfleben, 1991

Autorin/Autor: Martin Leonhard