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Stallikon

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Polit. Gem. ZH, Bez. Affoltern. Zur lang gestreckten Gem. gehören der Albisgrat mit dem Uetliberg, Mädikon, Baldern und Buchenegg sowie der mittlere Teil des Reppischtals mit den Weilern Tägerst, Gamlikon, S. (1124 Stallinchoven) und Sellenbüren sowie Einzelhöfen. 1643 624 Einw. (mit Wettswil); 1772 983; 1850 879 (ohne Wettswil); 1900 579; 1950 671; 2000 2'608.

Urgeschichtl. und ma. Siedlungsspuren v.a. auf dem Üetliberg, weitere Burgstellen auf Baldern und dem Ofengüpf (ma. Holzburg) oberhalb von Sellenbüren. Nach den Frh. von Sellenbüren gingen Besitz und Rechte in S. an Klöster über. Deren Güterbesitz und Herrschaftsrechte waren durchmischt bzw. zersplittert. Buchenegg und Tägerst gehörten zur Gerichtsherrschaft Bonstetten, der untere Teil des Tals zur Vogtei S.-Sellenbüren-Wettswil. In dieser hatte das Kloster Engelberg die Gerichtsbarkeit über Dieb und Frevel inne. Die erste Offnung von 1428 hält den Rechtsbereich sowie die überlieferten Rechte und Pflichten von Kloster und Dorfgenossen fest. Die Widum S. gehörte als grundherrl. Besitz von St. Blasien im Schwarzwald zur Vogtei Birmensdorf. 1466 verkaufte Engelberg seine Gerichtsherrschaft Heinrich Effinger, der sie 1532/33 der Stadt Zürich veräusserte. Die Stadt errichtete die Obervogtei Wettswil und vereinigte sie 1538 mit Bonstetten. Von der sich nach 1800 entwickelnden polit. Gem. S. löste sich 1831 Wettswil. Die Zivilgem. Baldern-Mädikon-Üetliberg wurde 1924, Tägerst-Buchenegg 1925, Sellenbüren 1927 aufgehoben. S. kam 1798 zum Distrikt Mettmenstetten, 1803 zum Bez. Horgen, 1815 zum Oberamt bzw. ab 1831 Bez. Knonau und gehört seit 1837 zum Bez. Affoltern.

Die Kollatur der 1157 erstmals erw. Kirche St. Stephan lag beim Kloster St. Blasien. 1383 wurde die Kirche dem Kloster inkorporiert, im Alten Zürichkrieg um 1444 gebrandschatzt, 1448 wieder geweiht. St. Blasien übte seine Rechte bis zu seiner Aufhebung 1808 aus; dann kamen sie an den Grosshzg. von Baden und über die jüd. Handelsgesellschaft Moses und Hänlein Guggenheim 1812 an den Kt. Zürich. Die ref. Kirchgemeinde umfasst S. und Wettswil. Die schmale Ernährungsbasis des Tals bewirkte, dass die Mehrheit der Einwohner im Ancien Régime nicht von der Landwirtschaft allein leben konnten: 1772 standen den 77 Bauern 8 Handwerker und 142 Heimarbeiter (Spinner, Weber usw.) gegenüber. Z.Z. der Industrialisierung entvölkerte sich S., weil sich im Tal keine Industrie ansiedeln konnte. Nach Einrichtung der Postautoverbindung 1930 setzte wieder ein Bevölkerungswachstum ein. 1940 wurden die Reppisch kanalisiert und die weiten Riet- und Sumpfgebiete melioriert, um die landwirtschaftl. Nutzflächen zu vergrössern. 1977 wurden Albis und Reppischtal als Landschaft von nationaler Bedeutung ausgezeichnet. Zu Beginn des 21. Jh. war S. fast ausschliesslich Wohngemeinde und Vorort von Zürich.


Literatur
850 Jahre S. ZH, 1124-1974, 1974
Urk. und Materialien zur Gesch. S.s, 1988-

Autorin/Autor: Reinhard Möhrle