• <b>Matthäus Schiner</b><br>Die Machtübergabe innerhalb der Familie Schiner 1499, dargestellt in der "Luzerner Chronik" von   Diebold Schilling,  1513 (Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, Sondersammlung, Eigentum Korporation Luzern). Im gleichen Bild illustriert der Chronist sowohl die Wahl Niklaus Schiners zum Bischof von Sitten durch die Patrioten 1496 (links) als auch Schiners Verzicht auf sein Amt 1499 zugunsten seines Neffen Matthäus (rechts), dem er symbolisch das Evangelienbuch übergibt.

No 7

Schiner, Matthäus

geboren um 1465 Mühlebach (heute Gem. Ernen), gestorben 30.9./1.10.1522 Rom. Sohn des Peter, Bergbauern und Zimmermanns, und der Anna Welschen oder der Magdalena (Nachname unbekannt). Neffe von Bf. Niklaus ( -> 9). Stud. in Sitten und Como, 1489 Priesterweihe in Rom, Kaplan von Ernen, Notar. Ab 1492 Kanzler des Walliser Landschreibers Georg Supersaxo, 1496 Pfarrer von Ernen und nicht residierender Domherr von Sitten, 1497 Dekan von Valeria, 1499 Nachfolger seines Onkels als Bf. von Sitten und Gf. von Wallis.

<b>Matthäus Schiner</b><br>Die Machtübergabe innerhalb der Familie Schiner 1499, dargestellt in der "Luzerner Chronik" von   Diebold Schilling,  1513 (Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, Sondersammlung, Eigentum Korporation Luzern).<BR/>Im gleichen Bild illustriert der Chronist sowohl die Wahl Niklaus Schiners zum Bischof von Sitten durch die Patrioten 1496 (links) als auch Schiners Verzicht auf sein Amt 1499 zugunsten seines Neffen Matthäus (rechts), dem er symbolisch das Evangelienbuch übergibt.<BR/>
Die Machtübergabe innerhalb der Familie Schiner 1499, dargestellt in der "Luzerner Chronik" von Diebold Schilling, 1513 (Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, Sondersammlung, Eigentum Korporation Luzern).
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Im ersten Jahrzehnt seines Episkopats führte S. kirchl. Reformen durch und erliess Weisungen für Klerus und Volk. Als Landesherr sorgte er in der Grafschaft Wallis für Ruhe und Ordnung und war auch aussenpolitisch ein kluger Taktiker. So verlängerte er 1507 den Waffenstillstand mit Savoyen um 15 Jahre. Da S. offen auf die Koalition zwischen Mailand, dem Kaiser und dem Papst setzte und Frankreich mit allen Mitteln von der Lombardei fernzuhalten versuchte, nahm auch die röm. Kurie sein diplomat. Geschick zunehmend in Anspruch: 1507 war er päpstl. Gesandter am Reichstag in Konstanz und 1508 Richter im Jetzerhandel in Bern. 1510 bewog er die Eidgenossen dazu, Papst Julius II. in Oberitalien gegen Frankreich zu unterstützen. Da Georg Supersaxo gleichzeitig drei Walliser Zenden zu einem Bündnis mit Frankreich überredete, eskalierte der nach Supersaxos Seitenwechsel 1505 schwelende Konflikt im Wallis, den S. 1510 vorerst für sich entschied. Als Anerkennung seiner diplomat. Dienste ernannte ihn Julius II. 1511 zum Kardinal von St. Pudentiana. Im selben Jahr floh S. vor seinen Gegnern aus dem Wallis nach Rom, wo er an der gegen Frankreich gerichteten Hl. Liga zwischen dem Papst, Venedig und dem Kg. von Spanien arbeitete, der später auch England beitrat. 1512 ernannte Julius II. S. zunächst zum Legaten bei den Eidgenossen, später zum Administrator der Diözese Novara. Ebenfalls 1512 vertrieb S. mit Hilfe eidg. Söldner die Franzosen im Pavierzug aus der Lombardei und erwirkte mit den Eidgenossen die Einsetzung von Massimiliano Sforza als Hzg. von Mailand. 1515 war S. massgeblich am Abschluss der v.a. gegen die Türken gerichteten Hl. Allianz beteiligt. Papst Leo X. übertrug S. den Oberbefehl über das päpstl. Heer. Die Niederlage in der Schlacht von Marignano 1515 schwächte S.s Stellung und im Wallis gewannen die Anhänger Supersaxos die Oberhand. 1519 setzte er sich mit Erfolg für die Wahl Karls V. zum röm.-dt. König ein. Nach dem Abschluss des Offensivbündnisses gegen Frankreich zwischen Karl V. und Leo X. eroberte S. 1521 mit einem eidg. Heer Mailand zurück. Als der Papst im gleichen Jahr starb, wurde S. mit der Verwaltung des Kirchenstaats betraut. Seine Kandidatur scheiterte trotz der Unterstützung Karls V. am Widerstand der franz. Kardinäle. Im Konklave stand S. 1522 auf der Seite Hadrians von Utrecht, der als Hadrian VI. zum Papst gewählt wurde. Im selben Jahr starb S. an der Pest.


Literatur
– A. Büchi, Kardinal Matthäus S. als Staatsmann und Kirchenfürst, 2 Bde., 1923-1937
– D. Reichel, «Mathieu S. (vers 1465-1522), cardinal et homme de guerre», in Actes du Symposium 1986, 1987, 1-20
HS I/5, 230-240

Autorin/Autor: Bernard Truffer