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Hundwil

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Polit. Gem. AR, ehem. Bez. Hinterland, bestehend aus dem Dorf, zahlreichen Weilern, Einzelhöfen und Alpen sowie bis 1749 aus Stein (AR). 921 Huntwilare. 1667 1'845 Einw.; 1734 3'360 (mit Stein); 1794 1'910 (ohne Stein); 1850 1'500; 1900 1'523; 1950 1'290; 1980 943; 2000 1'038. H., die älteste Niederlassung östlich der Urnäsch, wurde ab dem 10. Jh. von sankt-gall. Gotteshausleuten kolonisiert. Unter äbt. Herrschaft umfasste das Amt H. die Rhoden H. und Urnäsch. Nicht dazu gehörte die Schwägalp (1280 Sweigalpe), die ab 1353 direkt dem Hofamt St. Gallen unterstand. Wohnsitz der klösterl. Dienstmannen, der Edlen von H., war vermutlich der Weiler Sonder. Hier erhielten sich im Haus "Burg" Mauerreste eines ehemaligen Wohnturms. Im Reichsverband gehörte H. zur Vogtei St. Gallen. Spätestens im 14. Jh. verfügte die Rhode H. über eine gewisse kommunale Eigenständigkeit. 1367 verband sie sich zur Abwehr äbt. Ansprüche mit Appenzell, 1377 trat H. dem Schwäb. Städtebund bei, ab 1401 verfügte es über ein eigenes Siegel. Zusammen mit Appenzell und Urnäsch war H. 1401-29 treibende Kraft in den Appenzeller Kriegen. In diese Zeit fiel auch die polit. Neuordnung in eine Obere (das spätere H.) und eine Untere Rhode (das spätere Stein), die je über eigene Behörden verfügten, sich aber das Gemeindegut und das Rathaus teilten. Urnäsch wurde 1417 eine selbstständige Gem., die in den Appenzeller Kriegen beschlagnahmte Schwägalp kam nach der Grenzbereinigung mit Urnäsch 1480 zu H. Ab 1607 war H. regelmässig Tagungsort des Gr. und des Kl. Rats, 1611-1997 neben Trogen zweiter Landsgemeindeort.

1297 ist mit der Erwähnung eines Vizeleutpriesters die Existenz einer Kirche oder Kapelle erwiesen. Sie war im 14. Jh. Filialkirche von St. Laurenzen in St. Gallen, vor 1380 wurde sie zur selbstständigen Pfarrkirche erhoben (St.-Martins-Patrozinium). 1525 trat die Gem. zur Reformation über, wobei H. innerhalb des Verbands der appenzell. Rhoden eine führende Rolle einnahm. Nach der Landteilung 1597 galt im konfessionell gemischten Gebiet von Stechlenegg eine Sonderlösung, die Grenze zwischen Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden wurde hier erst 1851-52 endgültig bereinigt.

Die Lostrennung der Unteren Rhode und die Neugründung der Gem. Stein, die 1749 trotz heftigen Protesten der Oberen Rhode erfolgte, leitete den Niedergang H.s ein. Die Mehrzahl der vermögenden Hundwiler liess sich in Stein nieder und bürgerte sich dort ein. In H. blieben v.a. die ärmeren Bevölkerungsteile und eine grosse Zahl auswärtiger Bürger. Dies brachte in den Hungerjahren 1770 und 1817 eine enorme Armenlast, von der sich H. erst nach 1860 dank einer Neuordnung der Finanzen sowie verbesserter Verkehrserschliessung erholte. Flachsanbau und die Herstellung von Leinwandtuchen sind schon im frühen 16. Jh. bezeugt. Im letzten Drittel des 19. Jh. wurden v.a. Stickerei und Plattstichweberei (1862-1958) betrieben. Die Bleicherei im Gapf hatte bis ca. 1885 Bestand, jene im Befang 1868-ca. 1897. Bis um 1850 gab es in H. vier Jahrmärkte. Eine herausragende Rolle spielte schon immer die Milch- und Alpwirtschaft. H. und Stein waren bis um 1940 die Hochburgen der appenzell. Molkenhändler. Dann verlagerte sich das Schwergewicht allmählich von der Milch- und Käseproduktion auf die Jungviehzucht. Das Mineralbad war um 1855-1905 in Betrieb. Ab 1895 wurde H. für den Fremdenverkehr attraktiv (v.a. Ferienkolonien). Der Bau der Säntis-Schwebebahn (Säntis) 1935 begünstigte die Steuereinkünfte der Gem., da die Berg- und die Talstation auf ihrem Gebiet liegen. Seit dem 2. Weltkrieg gilt H. als strukturschwache Gem., Vieh- und Milchwirtschaft sowie Holzbau bilden die wichtigsten Erwerbszweige. 2000 waren knapp zwei Fünftel der in H. Beschäftigten im 1. Sektor tätig.


Literatur
– J. Signer-Walser, Gemeindegesch. H. 1860-1930, Ms., [um 1931], (GemA Hundwil)
– J. Rietmann, H. Frischknecht, H., Typoskript, [um 1965]
Kdm AR 1, 1973, 352-400
Appenzeller Ztg., 14.4.2001

Autorin/Autor: Thomas Fuchs