Wilchingen

Polit. Gem. SH, Bez. Unterklettgau. Strassendorf westlich des Wannebergs. Dank Zukäufen des Rossbergs und der Radegg 1548 sowie des Triesbergs 1648, dem Einbezug des Banns Haslach 1849 und der Eingemeindung von Osterfingen 2005 erreichte W. seine heutige Ausdehnung. 870 Wilechinga (Fälschung des 10. Jh.), 1049 Wilechinga. 1771 763 Einw.; 1798 1'139; 1850 1'345; 1900 908; 1950 1'091; 2000 1'301.

Trotz jungsteinzeitl. Funden bei der Flühalde, eines zeitlich nicht bestimmbaren Erdwerks in der Dicki und Einzelfunden aus röm. Zeit ist eine Siedlungskontinuität erst ab dem FrühMA anzunehmen. Grundbesitz des Klosters Rheinau in W. gelangte vermutlich im 12. Jh. an die Krenkinger und danach an die Randenburger. 1371 kaufte das Heiliggeistspital Schaffhausen die niedere Gerichtsbarkeit, die 1529 an die Stadt Schaffhausen überging. Diese erwarb 1656 von den Gf. von Sulz die hohe Gerichtsbarkeit und teilte W. der Landvogtei Neunkirch zu. Das Dorf gehörte zur Pfarrei Erzingen, löste sich aber nach einem mehrjährigen Kirchengerichtsprozess 1515 von dieser. Es ist unklar, ob danach die 1482 erstmals erw. Filialkapelle S. Otmar stehen blieb oder neu errichtet wurde. An derselben Stelle erbaute der Schaffhauser Stadtbaumeister Heinrich Peyer 1676 die heutige Kirche. W. war ein wohlhabendes Weindorf, das infolge des Wilchingerhandels, eines Konflikts über das verbriefte dörfl. Tavernenrecht mit der Schaffhauser Obrigkeit, verarmte. Im 19. Jh. erholte sich das Dorf nicht zuletzt dank steigender Weinexporte nach Deutschland. 1857-82 wuchs die Anbaufläche von 45 auf 82 ha, sank aber bis 1929 infolge billigeren und milderen Importweins und des falschen Mehltaus auf 34,5 ha. 2011 betrug sie 97 ha (60 ha in W., 37 ha auf Osterfinger Gebiet). Mit einer Unterbrechung zwischen 1771 und 1803 wurde in W. vom 17. Jh. bis 1850 Bohnerz abgebaut. 1854 entstand eine Spar- und 1874 eine Leihkasse, die 1904 fusionierten. Mit fünf weiteren Klettgauer Regionalbanken ging dieses Institut 1998 in die BS Bank Schaffhausen ein. 1863 erhielt W. einen Bahnanschluss an der Linie Schaffhausen-Basel mit Bahnhof in Unterneuhaus, wo im Lauf der ersten Jahre u.a. ein Wirtshaus und der landwirtschaftl. Musterbetrieb von Zacharias Gysel entstanden. 1921 siedelte sich die spätere AG Ernst Hablützel & Co. in Unterneuhaus an und baut seither Kies ab. Anfang des 21. Jh. war W. noch immer von der Landwirtschaft und vom Kleingewerbe geprägt und wies eine negative Pendlerbilanz auf.


Literatur
Kdm SH 3, 1960, 289-306
– K. Bächtold, Gesch. von W., 1988
– J. Trumm, Die römerzeitl. Besiedlung am östl. Hochrhein (50 v.Chr.-450 n.Chr.), 2002, 390 f.

Autorin/Autor: Martin Akeret Weishaupt