16/02/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Burgäschisee

Kleiner Moränensee auf der Grenze der Kt. Bern (Gem. Seeberg) und Solothurn (Gem. Aeschi). An seinen Ufern wurden an vier Stellen Überreste jungsteinzeitl. Dörfer entdeckt (B.-Nord, B.-Ost, B.-Südwest, B.-Süd), deren Funde fast ausschliesslich ins 4. Jt.v.Chr. gehören. Nach Absenkung des Wasserspiegels 1943 erfolgten in B.-Süd 1952, 1957 und 1958 umfangreiche Plangrabungen durch das Bernische Historische Museum. Das Siedlungsareal (ca. 540 m2) konnte weitgehend freigelegt und ca. 400 m2 des Umlandes untersucht werden. Die Feuchtböden boten gute Erhaltungsbedingungen für Funde aus organ. Material. Kulturgeschichtlich bedeutsam sind Gegenstände aus Kupfer (u.a. 54 auf zwei Schnüre aufgezogene Kupferperlen). Die häufigsten Funde sind Keramikscherben aus einem mittleren Abschnitt der Cortaillodkultur (ca. 3800 v.Chr.). Die Siedlung B.-Süd stand im feuchten, aber nicht überschwemmten Ufersaum. Einzelne Lehmanhäufungen werden als Böden von unterschiedlich grossen Holzhäusern gedeutet. Eine jeweils zeitgleich errichtete "Dorfeinheit" umfasste mind. zwei bis drei Häuser, welche ein dichter Zaun umgab: Von schmalen Durchgängen führten Prügelwege durch feuchtes Gelände in den rückwärtigen Acker- und Waldbereich.

In einiger Entfernung zum heutigen See fanden sich versch. Fundstellen mit Silexartefakten aus der Alt- und Mittelsteinzeit. Sie kennzeichnen die Standorte von Wohnplätzen am Ufer des gegen Ende der letzten Eiszeit wahrscheinlich bedeutend ausgedehnteren Sees. Am bekanntesten ist die auf einer leichten Bodenerhebung gelegene Station Fürsteiner mit einem im schweiz. Mittelland seltenen spätpaläolith. Gerätebestand (um 10'000 v.Chr.).


Literatur
– H. Müller-Beck, «Das Cortaillod-Dorf B.-Süd als ökohist. Qu.», in Jb. des Oberaargaus, 1994, 57-88
SPM 1-2

Autorin/Autor: Felix Müller