Montlingerberg

Inselberg in der Rheintalebene bei Montlingen (Gem. Oberriet SG), gelegen im Mündungsgebiet des Ill in den Rhein (Arlbergroute). Der M. diente von etwa 1860 bis 1956 als Steinbruch der internat. Rheinregulierung. Die Nordseite wurde abgebaut (ca. 600'000-850'000 m3 Schrattenkalk auf ca. 24'000 m2 Fläche). Dabei wurden bis 1915 viele Streufunde gemacht. 1921-26 führte Hans Bessler Grabungen durch, während und nach dem 2. Weltkrieg Hans Brunner, 1951-54 sowie 1960 Benedikt Frei. 1989 erschien eine Gesamtpublikation.

Funde belegen Begehungen des M.s während der Kupfer- und der Mittelbronzezeit. Die Besiedlung setzte in der Spätbronzezeit ein (gegen Ende der Stufe Hallstatt A2, Mitte des 11. Jh. v.Chr.). Sie umfasst sechs Hauptphasen. In der 1. Phase wurde quer über das Plateau ein gestufter Holz-Erde-Wall gebaut; die Siedlung lag östlich davon (Trockenmauerzüge, Herdstellen und Pfostenlöcher). Importfunde belegen, dass sich auf dem M. ein bedeutender Handelsplatz befand. Funde aus dieser Phase sind Urnenfelderkeramik, Laugen-Melaun-Keramik, Urnenfelderbronzen, norditalische Bronzen und Bernsteinperlen aus baltischem Rohmaterial, verarbeitet in der Poebene. Die Phase endete wegen eines Walleinsturzes im frühen 10. Jh. v.Chr. In der 2. Phase existierte die Siedlung ohne längere Unterbrechung weiter. Belegt sind vier Befundhorizonte mit angeschnittenen Hausgrundrissen, Pfostenstellungen und Herdstellen. Gefunden wurden Urnenfelderkeramik, Laugen-Melaun-Keramik und Urnenfelderbronzen. Diese Phase endete vermutlich gegen Ende des 9. Jh. v.Chr. (Ende der Stufe Hallstatt B2-B3). Aus der 3. Phase sind mehrere Befundhorizonte mit sehr vielen Herdstellen nachgewiesen, im obersten Horizont u.a. ein Teil eines Hausgrundrisses mit Herdstelle. Keramik in Urnenfeldertradition, stark früheisenzeitlich überprägt, sowie einige typ. Bronzen werden dieser Phase zugeordnet. Der Übergang zur 4. Phase wird auf den Anfang des 6. Jh. v.Chr. (Stufe Hallstatt D1/D2) datiert. Belegt sind die Wiederverwendung einer Mauer des unteren Horizonts, ein Ständerhaus mit Herdstelle und eine Stützmauer. Fundstücke sind einige wenige Bronzen sowie Keramik der Alpenrheintalgruppe. Um 500 v.Chr. begann die 5. Hauptphase, welche die gesamte späte Eisenzeit umfasst. Belegt sind wenige Herd- und Feuerstellen, eine Steinschüttung und einige nicht interpretierbare Steinsetzungen. Gefunden wurden Keramik der Alpenrheintalgruppe sowie keltische und ostalpine Bronzen. Der 6. Hauptphase kann in der Plateaumitte ein Hausgrundriss mit Funden aus dem 1. Jh. n.Chr. zugewiesen werden.

Die Siedlungsgründung ist Trägern der spätbronzezeitlichen süddt.-nordschweiz. Urnenfelderkultur zuzuschreiben. Verkehrsgeogr. und strateg. Überlegungen dürften für die Standortwahl ausschlaggebend gewesen sein. Der M. diente als Handelsstation; dies belegen Geräte und Schmuck aus Norditalien und Süddeutschland sowie Kupferbarren, die wahrscheinlich aus dem Nordtirol stammen. Intensive Beziehungen bestanden offenbar mit dem Südtirol und dem Trentino; Träger der dort beheimateten Laugen-Melaun-Kultur scheinen sich ebenfalls auf dem M. niedergelassen zu haben. Insgesamt dürfte eine Fläche von ca. 26'000 m2 besiedelt gewesen sein, etwa die Hälfte davon fiel dem Steinbruch zum Opfer; vom Rest wurden ca. 600 m2 untersucht. Für die Früheisenzeit sind intensivere Beziehungen mit dem südostalpinen Raum nicht mehr nachweisbar. Mit dem Beginn der späten Eisenzeit treffen im Alpenrheintal wieder mehrere Kulturbereiche aufeinander: Die Keramik zeigt Einflüsse aus dem südalpinen wie dem ostalpinen Gebiet; die Trachtbestandteile können mit wenigen Ausnahmen dem kelt. Bereich zugeordnet werden. Die keram. Tradition der Alpenrheintalgruppe ist auch im 1. Jh. n.Chr. noch feststellbar.


Literatur
– B. Frei, «Zur Datierung der Melauner Keramik», in ZAK 15, 1954/55, 129-173
– R. Steinhauser-Zimmermann, Der M. im Kt. St. Gallen (Schweiz), 1989
Die Räter, 1992, 53-90, 175-211, 331-347

Autorin/Autor: Regula Anna Steinhauser-Zimmermann