17/10/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Egg (ZH)

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Polit. Gem. ZH, Bez. Uster. Agglomerationsgem. am Nordosthang des Pfannenstiels, bestehend aus den Kernen Hinteregg, E. und Esslingen sowie einem Hofgebiet mit nahezu 100 Einheiten, davon 30 mit mehr als fünf Häusern. Die versch. Zivilgem., aus denen E. bestand, wurden aufgehoben, Bad 1921, Hinteregg, E., Esslingen, Hof und Lieburg 1927. 775 Echa. 1467 38 Haushaltungen; 1634 899 Einw.; 1699 1'245; 1850 2'523; 1900 2'309; 1950 2'439; 1960 3'018; 1970 5'250; 2000 7'455.

Älteste menschl. Zeugnisse sind Grabfunde aus der späten Bronzezeit. Im 8. und 9. Jh. erwarb das Kloster St. Gallen in E. einen grösseren Güterkomplex, 972 auch das Kloster Einsiedeln. Daneben zeugt das spätma. Habsburger Urbar von der Ansiedlung freier Bauern; Hinteregg hiess noch im 17. Jh. Fryenegg. Die Vogtei über die St. Galler Güter wurde 1253 an die Gf. von Kyburg verpfändet und gelangte 1273 an die Habsburger, die 1354 auch die Schirmherrschaft über die Einsiedler Güter übernahmen. Zusammen mit der Herrschaft Grüningen wurde E. 1408 zürcherisch. Nach dem Alten Zürichkrieg kamen Esslingen und Vollikon zur Obervogtei Stäfa (bis 1798).

Die Kirche E. gelangte 858 teilweise in den Besitz des Klosters St. Gallen. Nach versch. Handänderungen verfügte 1478 das Chorherrenstift St. Martin (Zürichberg) über den Kirchensatz, der nach der Reformation an den Zürcher Rat ging. Zur Kirche E. gehörte noch bis 1729 die Gem. Oetwil am See. 1921 entstand die kath. St. Antoniuskirche, die 1925 zur Pfarrkirche erhoben wurde. Schon unter dem ersten Pfarrer Anton Bolte (1890-1952) wurde sie zum Wallfahrtsort: seit 1926 beherbergt sie Reliquien des hl. Antonius von Padua, 1939 wurde eine Pilgerhalle errichtet. Um die sog. Zionsmutter Dorothea Boller sammelten sich ab 1865 Anhänger der Auferstehungssekte. Deren beachtl. Vermögen ging nach dem Tod der Sektenführerin 1895 in Form karitativer Stiftungen teilweise an die Gem. Egg.

Um 1774 wurde das Land von E. zu 51% für Ackerbau genutzt. Der Obstbau war bedeutend. Die textile Heimindustrie war ab dem 17. Jh. verbreitet. 1787 waren 13% der Bevölkerung in der Baumwollspinnerei beschäftigt, zudem wurden 288 Webstühle für Mousseline und 270 für Indienne gezählt. Die Volkszählung von 1850 wies noch 736 Weberinnen und Weber gegenüber 511 Landwirten aus. Die industrielle Textilproduktion kam wegen der fehlenden Wasserkraft erst spät auf. 1875-1966 war die Seidenweberei Schroeder in E. aktiv. 1919 entstand die Farbbandfabrik Franz Büttner AG, die 1972 von der Pelikan übernommen wurde. 1847 leitete der Bau der nach Zürich führenden Forchstrasse die Erschliessung E.s ein. Der Einbezug der Gem. in die Agglomeration Zürich Ende der 1960er Jahre liess die drei Ortskerne fast gänzlich zusammenwachsen.


Literatur
– H. Müller, E. bei Zürich, 1975
Kdm ZH 3, 1978, 653-676
– H.-P. Rebsamen, «E., Kath. Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Antonius», in Zürcher Denkmalpflege, 14. Ber. 1995-1996, 2001, 60-65

Autorin/Autor: Martin Illi