05/12/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken

Hemishofen

Polit. Gem. SH, Bez. Stein. Das am Rhein gelegene H. befindet sich am Fuss des Wolkensteinerbergs und erstreckt sich nach Norden bis zum Herrentisch. Nach ca. 1100 Hammingeshoven. 1850 327 Einw.; 1900 376; 1950 307; 1970 271; 2000 377.

1 - Hallstattzeitliches Gräberfeld

Am östl. Rand des unteren Bibertals, am Fusse des Schienerbergs liegt die noch heute teilweise sichtbare hallstattzeitl. Grabhügelgruppe. Gut erkennbar lag sie ehemals an einem wichtigen Durchgangsweg. Erste Nachrichten von Hügelgräbern stammten 1836 von Ferdinand Keller. 1846 und 1856 erfolgten Grabungen durch Johann Conrad Fehrlin, 1874-75 durch Pfarrer Julius Müller, 1894 durch Ferdinand Schalch. 1912-13 führten Joseph von Sury und Bertram Böschenstein unbewilligte Grabungen durch, 1943 untersuchte Walter Ulrich Guyan den Ort umfassend, 1967 und 1978 folgten weitere Teiluntersuchungen.

Das Gräberfeld umfasste mindestens 35 Grabhügel. Nachgewiesen sind Brand- und Körpergräber vom 8. bis 6. Jh. v.Chr., aber auch einige frühlatènezeitl. Nachbestattungen vom 5. bis 4. Jh. v.Chr. Die Toten wurden in ihrer Tracht bestattet. Es wurden zahlreiche Schmuckteile (Fibeln, Ringe, Armbänder, Gürtel), Gebrauchsgeräte (Messer, Toilettenbestecke) und Waffenbeigaben (Fragment eines Eisenschwerts sowie eine Lanzenspitze) gefunden. Die Toten erhielten meist Speisen und wahrscheinlich Getränke in Keramikgefässen als Beigaben. Die Grabkeramik ist sehr vielfältig und besonders in der Frühzeit reich verziert mit Ritz- und Stempeldekor sowie Rot-Schwarz-Bemalung im Alb-Salem-Stil. In den späteren Gräbern fand man weniger reich verzierte Gefässe. Die näheren Fundumstände sind in den wenigsten Fällen dokumentiert und die Grabbeigaben unvollständig überliefert, so dass die Tracht und die soziale Stellung der Toten nicht mehr rekonstruiert werden können. Der Standort des dazugehörenden hallstattzeitl. Dorfes ist bis heute unbekannt.

Autorin/Autor: Markus Höneisen

2 - Die Gemeinde

Das Kloster St. Georgen in Stein am Rhein und die Herren von Hohenklingen, welche die niedere und hohe Gerichtsbarkeit besassen, gehörten zu den wichtigen Grundbesitzern in H. 1359 erwarb Österreich die Hälfte der Vogtrechte, verpfändete sie aber 1362 wieder den Verkäufern. 1457 erwarb Stein am Rhein die Herrschaftsrechte über H. 1484 gelangte H. unter die Schirmherrschaft von Zürich. Seit 1803 gehört H. zum Kt. Schaffhausen. Zusammen mit Stein am Rhein bildet H. seit jeher die Kirchgem. Stein-H. Das 1660 erbaute Schulhaus diente zunächst v.a. den ref. Ramsern, denen die Ausübung ihres Glaubens in der eigenen Gem. verboten war. Ab 1784 wurden nur noch H.er Schüler unterrichtet. 1831-32 erfolgte ein Neubau des Schulhauses, der heute die Primarschule beherbergt. Am 1.5.1800 überschritt der rechte Flügel der franz. Rheinarmee mit 30'000 Mann den Rhein unterhalb von H. Oberhalb von H. überquert eine 1875 konstruierte Eisenbahnbrücke der Linie Etzwilen-Singen (heute nur noch als Industriegeleise benutzt) den Rhein, seit 1980 parallel dazu eine Strassenbrücke. 1846-63 bestand eine Fabrik zur Verarbeitung von Zichorienwurzeln zu einem Kaffeesurrogat. Ab der Mitte des 20. Jh. wandelte sich H. von einem Bauern- zu einem Wohndorf.

Quellen und Literatur

Literatur
– W.U. Guyan, Das Grabhügelfeld im Sankert bei H., 1951
– G. Lüscher, «Unterlunkhofen und die hallstattzeitl. Grabkeramik in der Schweiz», in Antiqua 24, 1993, 192-194
– H. Tanner, H., 1998

Autorin/Autor: Hermann Tanner