Annalen

A. (lat. annales, dt. Jahrbücher) gelten als eigenständigste Form früh- und hochma. Geschichte. Sie entstanden durch Verschmelzung festländ.-spätantiker mit kelt.-angelsächs. Tradition (Rand- oder Interlinearnotizen in Ostertafeln) und gelangten im 8. Jh. zu voller Ausbildung. Die A. wurden in der Regel anonym und jahrweise verfasst. In ihren nichtkompilator. Teilen, wo sie Gegenwartsgesch. schreiben, sind sie recht zuverlässig, allerdings oft eingeengt durch einen offiziös-institutionellen Standpunkt oder durch die regionale bzw. lokale Perspektive ihrer Entstehungsorte (v.a. Klöster). Dies gilt auch für die im 8.-12. Jh. (von der Karolinger- bis zur Stauferzeit) im Gebiet und in der Nachbarschaft der Schweiz entstandenen A.: Die "Annales Alamannici" (709-799) wurden in den Klöstern Schwabens verbreitet und fortgesetzt, u.a. in der Reichenau (bis 939) und in St. Gallen (bis 926), woran hier in versch. Stufen die bedeutenden "Annales Sangallenses maiores" (bis 1056) anschliessen. In Einsiedeln entstanden im 10. Jh. die "Annales Heremi" und die "Annales Einsidlenses" (Fortsetzung bis 1057, "Liber Heremi" bis 1298). Kleine A. brachten das Kloster Allerheiligen ("Annales Scafhusenses", 11. Jh.), das Chorherrenstift Zürich (1057-78) und das Kloster Rheinau (12. Jh.) hervor. In Engelberg wurden unter Frowin die St. Blasianer A. weitergeführt ("Annales Engelbergenses", Fortsetzung bis 1546). In Burgund hat der Bischofssitz Lausanne A. hervorgebracht ("Annales Lausannenses", 9.-11. Jh., fortgesetzt im 13. Jh.). Zu den Anfängen der Geschichtsschreibung in den spätma. Städten zählen die z.T. dt. geschriebenen annalist. Aufzeichnungen in Bern ("Chronica de Berno", bis 1344) und Basel (Basler A., bis 1416).


Quellen
– W. Wattenbach et al., Deutschlands Geschichtsquellen im MA, 3 Tl., 1952-90
Repertorium fontium historiae medii aevi 2, 1967, 243-354, (Ausg. und Lit.)
Literatur
LexMA 1, 657-661

Autorin/Autor: Ernst Tremp