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No 1

Glarean

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geboren Juni 1488 (Heinrich Loriti) Mollis,gestorben 27./28.3.1563 Freiburg i.Br., von Mollis. Sohn eines Loriti, Bauern und Ratsherrn in Glarus. ∞ 1) 1522 Ursula Offenburg (gestorben 1539), Tochter des Hermann, Basler Junkers, 2) 1541 Barbara Speyer, Witwe des Basler Professors. Johannes Romanus Wonnecker. Nach der Grundausbildung in Bern und Rottweil studierte G. in Köln (1508 Bakkalaureus, 1510 Magister Artium), zog nach 1514 nach Basel, wo er in fruchtbarem Kontakt mit Buchdruckern (Johannes Froben und Heinrich Petri) und Gelehrten (Erasmus von Rotterdam und Oswald Myconius) bis 1529 als Bursenleiter wirkte; zwischenzeitlich hielt er sich in Pavia (1515) und in Paris (1517-22) auf. Die Einführung der Reformation, die er entschieden ablehnte, veranlasste ihn, Basel zu verlassen und ins benachbarte Freiburg i.Br. überzusiedeln. Dort lehrte er an der Universität bis zu seinem Altersrücktritt 1560 Poetik, Geschichte und Geografie.

G. trat zunächst als neulat. Dichter in Erscheinung; ein Lobgedicht auf Maximilian I. trug ihm 1512 die Krönung zum Poeta laureatus ein. In der Basler Zeit wandte er sich der Wissenschaft zu und erlangte in der Folge als Gelehrter auf unterschiedl. Gebieten weitreichende Bedeutung. Er tat sich als produktiver Herausgeber und Kommentator röm. und griech. Autoren wie Tacitus, Livius und Homer, aber auch weniger bekannter wie Justin und Eutrop hervor. In "De geographia liber unus" (1527) beschäftigte er sich mit den Grundlagen der mathemat. Geografie und hielt als Erster die sog. Deklination, die Missweisung der Kompassnadel, fest; das Werk war noch im 17. Jh. in Gebrauch. Seine "Epitome de sex arithmeticae practicae speciebus" (nach 1539) wurden zu einem an den Universitäten oft benutzten Mathematiklehrmittel. Nachhaltigste Wirkung jedoch hatten seine Leistungen im Bereich der Musik. Mit seiner in der "Isagoge" (1516) vorbereiteten, im "Dodekachordon" (1547) durchgeführten Definition der Lehre von den zwölf Tonarten, die er auf Theorien aus der Antike abstützte, aber auch mit der Neubelebung des Choralgesangs wurde er zum musiktheoret. Reformer. G. blieb eng mit seiner Heimat verbunden: Er publizierte in seiner Frühzeit u.a. eine "Helvetiae descriptio", pflegte eine Freundschaft mit Aegidius Tschudi und bis 1523 auch mit Huldrych Zwingli. Er stand aber auch in intensiver Beziehung zum gelehrten Europa. Der bereits von seinen Zeitgenossen hochgeschätzte Lehrer gehört zu den bedeutendsten Humanisten des oberrhein. Raumes.


Archive
– Bayerische Staatsbibliothek München, Nachlass
Literatur
– H. Schreiber, Heinrich Loriti Glareanus, 1837, (mit Werkverz.)
– E. Lichtenhahn, «"Ars perfecta" - zu G.s Auffassung der Musikgesch.», in Fs. Arnold Geering zum 70. Geburtstag, hg. von V. Ravizza, 1972, 129-138
Der Humanist Heinrich Loriti, gen. G. 1488-1563, 1983
– A. Berchtold, Bâle et l'Europe 1, 1990, 360-372
– H.-H. Mack, Humanist. Geisteshaltung und Bildungsbemühungen am Beispiel von Heinrich Loriti G. (1488-1563), 1992
– F.D. Sauerborn, «"... atque suum familiarem nominarint"», in Zs. des Breisgau-Geschichtsvereins "Schau-ins-Land" 120, 2001, 57-75

Autorin/Autor: Hans Ulrich Bächtold