Valeria

Mächtige Anlage mit Burgkirche in der Gem. Sitten VS (seit 1987 basilica minor). Östlich der Altstadt von Sitten, ca. 150 m über der Ebene auf einem Felshügel gelegen. Frühe Zeugnisse über eine Besiedlung des Felsens fehlen, da erste verlässl. Schriftquellen nicht vor das 12. Jh. zurückreichen. Unklar ist auch, ob der Hügel als befestigter Stützpunkt oder Standort eines vor- oder frühchristl. Heiligtums gedient hat. Die topograf. Lage und die festungsartige Anlage lassen vermuten, dass die Kirche dank der Schenkung Kg. Rudolfs III. von 999 als Repräsentationsbau um 1100 errichtet worden ist. Als dreischiffige Pfeilerbasilika mit Querschiff und dreiachsigem Chor geplant, wurde sie in mehreren Etappen gebaut. Während die Kirche aussen seit dem 13. Jh. nicht mehr wesentlich verändert worden ist, datiert ihre Innenausstattung mit Ausnahme des frühgot. Lettners und der Glasmalereien hauptsächlich aus dem späteren MA und der Neuzeit. Die allseitig von Mauern und Türmen geschützte Burganlage umfasste ausser der Kirche zahlreiche andere Gebäude, von denen zu Beginn des 21. Jh. nurmehr etwa ein Drittel steht. Spätestens ab der 2. Hälfte des 12. Jh. war V. Eigentum des Domkapitels und dessen ständige Residenz. Die Domherren wohnten dort in eigenen Häusern. Der gesamte Stiftsbezirk genoss Immunität; in ihm galt ein Asylrecht. Der Kastlan besass eine eigene Blutgerichtsbarkeit. In Kriegszeiten suchte die Bevölkerung Sittens in der Burg Schutz. 1798 nahmen die Domherren in der Nähe der Kathedrale Wohnsitz. 1806-14 führten Schwestern der Gesellschaft von der christl. Einsamkeit auf V. eine Schule und 1817-74 war es Sitz des diözesanen Priesterseminars. Seit 1883 beherbergen die renovierten Gebäude die hist. Abteilung der kant. Museen (heute Kant. Museum für Geschichte, 2008 Neueröffnung). 1977 wurde der Burghügel ins Inventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgenommen.


Literatur
HS I/5, 362-366
– P. Elsig, Le château de Valère, 2000

Autorin/Autor: Bernard Truffer