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Dörflingen

Polit. Gem. SH, Bez. Reiat. Dorf an der Grenze zu Deutschland, 6 km östl. von Schaffhausen. 1264 Dorfelingen. 1689 396 Einw.; 1704 340; 1850 560; 1900 426; 1930 418; 1950 458; 1990 582; 2000 785. Zum kyburg. Grundbesitz gehörend, kam D. beim Aussterben des Grafengeschlechts 1264 an die Habsburger, als deren Lehensträger die Truchsessen von Diessenhofen amtierten. 1377 wurde D. an die Hohenlandenberg, 1434 an die Stadt Zürich verpfändet und war fortan einziger rechtsrhein. Teil der Landvogtei Andelfingen. 1770 erstand Zürich von der Landgrafschaft Nellenburg (ab 1465 zu Vorderösterreich gehörig) das Hochgericht über D. und Ramsen als Lehen. Als Inhaber der niederen Gerichtsbarkeit führte Zürich 1535 in D. die Reformation ein (Dörflinger Bildersturm), was die kirchl. Trennung von der Mutterpfarrei Gailingen zur Folge hatte, die ihrerseits seit 1400 dem Kloster Allerheiligen inkorporiert war. 1651 wurde D. zur eigenständigen Pfarrei erhoben, aber von Schaffhausen oder Diessenhofen aus betreut. Das Patronatsrecht übten Zürich und Allerheiligen abwechslungsweise aus. 1689 wurde die heutige Kirche gebaut, 1842-44 das Pfarrhaus. Am 24.7.1798 erfolgte durch das Dekret der helvet. Räte der Anschluss D.s an den Kt. Schaffhausen, obwohl die Dorfbevölkerung ausdrücklich bei Zürich bleiben wollte. Seit 1920 ist D. durch einen Postautokurs von Schaffhausen erschlossen. Das Bauerndorf mit einst bedeutendem Acker- und Rebbau (1875 25 ha Reben) führte 1942-45 die Güterzusammenlegung durch, entwickelte sich aber mehr und mehr zur Wohngem. 2000 stellte der 1. Sektor noch knapp ein Viertel der Arbeitsplätze in der Gem.; mehr als zwei Drittel der Einwohner waren Wegpendler.


Literatur
– T. Schärli, «Der Dörflinger Bildersturm», in SchBeitr. 62, 1985, 43-56
– E. Bryner, Gesch. der Kirchgem. D., 1989
– F. Keller, 100 Jahre Landwirtschaftl. Verein D., 1991

Autorin/Autor: Andreas Schiendorfer