• <b>Martin Gerbert</b><br>"Reisen durch Alemannien, Welschland und Frankreich". Titelblatt und Frontispiz mit Verfasserporträt der deutschen Erstausgabe von 1767 (Schweizerische Nationalbibliothek). Der 1765 zuerst lateinisch veröffentlichte Reisebericht beschreibt bedeutende Handschriftenbestände der von Gerbert besuchten Bibliotheken. Der Kupferstich zeigt den gelehrten Fürstabt mit seinen kirchlichen Insignien in einer Bücherstube. Vor ihm liegen Manuskripte aus seinen beiden wichtigsten Forschungsgebieten, der Kirchenmusik und der Liturgie.

No 1

Gerbert, Martin

geboren 11.8.1720 (Franz Dominik Bernhard) Horb am Neckar (im Nordschwarzwald), gestorben 13.5.1793 St. Blasien (Schwarzwald), kath.; Sohn des Anton G. von Hornau, Kaufmanns, und der Maria Riegger. G. trat 1736 in die Benediktinerabtei St. Blasien ein, 1737 Profess, 1744 Priesterweihe. Hier lehrte er ab 1746 Theologie, 1755 wurde er Klosterbibliothekar, 1764 Fürstabt. 1768 liess G. das abgebrannte Kloster samt Kirche im klassizist. Stil neu errichten und die Überreste der Habsburger aus Königsfelden und Basel hierhin übertragen. Kirchenpolitisch kämpfte er gegen die josephin. Klosterpolitik an. Er suchte zwischen Episkopalismus und Papalismus zu vermitteln. Seine wissenschaftl. Tätigkeit stand zunächst im Dienst einer Reform des Theologiestudiums. Nach Forschungsreisen, die ihn 1759-62 nach Frankreich, Süddeutschland, Österreich, Italien und in die Schweiz führten (beschrieben in "Iter alemannicum" 1765, dt. 1767), veröffentlichte er grundlegende Werke zur Geschichte der Kirchenmusik, der altalemann. Liturgie und des Schwarzwalds. G. zählt zu den bedeutendsten kath. Gelehrten der Aufklärungszeit. Zwecks Quellenstudium pflegte er zu versch. Archiven in der Schweiz einen engen Kontakt. Er bemühte sich, die Arbeit der Mauriner im deutschsprachigen Raum fortzusetzen. In den letzten Jahrzehnten vor der Aufhebung der Fürstabtei 1806 machte er St. Blasien zur geistigen Metropole Süddeutschlands. Es wurde zu einem Zentrum hist. Forschung. Das von G. initiierte Projekt einer St. Blasischen "Germania Sacra" blieb infolge der Säkularisation ein Torso. G.s umfangreiche Korrespondenz (u.a. mit Beat Fidel Zurlauben, Johann Jakob Hess) stellt eine wichtige Quelle zur Geistesgeschichte seiner Zeit dar.

<b>Martin Gerbert</b><br>"Reisen durch Alemannien, Welschland und Frankreich". Titelblatt und Frontispiz mit Verfasserporträt der deutschen Erstausgabe von 1767 (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>Der 1765 zuerst lateinisch veröffentlichte Reisebericht beschreibt bedeutende Handschriftenbestände der von Gerbert besuchten Bibliotheken. Der Kupferstich zeigt den gelehrten Fürstabt mit seinen kirchlichen Insignien in einer Bücherstube. Vor ihm liegen Manuskripte aus seinen beiden wichtigsten Forschungsgebieten, der Kirchenmusik und der Liturgie.<BR/>
"Reisen durch Alemannien, Welschland und Frankreich". Titelblatt und Frontispiz mit Verfasserporträt der deutschen Erstausgabe von 1767 (Schweizerische Nationalbibliothek).
(...)


Quellen
Korrespondenz des Fürstabtes Martin II. G. von St. Blasien, hg. von G. Pfeilschifter, 2 Bde., 1931-34
Briefe und Akten des Fürstabtes Martin II. G. von St. Blasien 1764-1793, hg. von W. Müller, 2 Bde., 1957-62
Literatur
– W. Müller, «Martin G., Fürstabt von St. Blasien 1720-1793», in Lebensbilder aus Schwaben und Franken 12, 1972, 100-120 (mit Werkverz. und Bibl.)
– H. Heidegger, H. Ott, St. Blasien, 1983, 111-194 (mit Bibl.)
– A. Haub, «Fürstabt Martin G. und die sog. Gelehrtenakademie», in Alte Klöster, neue Herren, II/1, 2003, 239-246

Autorin/Autor: Franz Xaver Bischof