03/11/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken

Augustiner Eremiten

Der Orden der A. (lat. Ordo Fratrum Eremitarum S. Augustini, Abk. OESA, seit 1969 Ordo Fratrum S. Augustini, Abk. OSA) ging aus dem 1256 von Papst Alexander IV. verfügten Zusammenschluss mehrerer Orden und Gemeinschaften von Eremiten sowie der 1244 unter Papst Innozenz IV. entstandenen Vereinigung der A. der Toskana auf der Grundlage der Augustinusregel hervor. Die A. übernahmen weitgehend die Organisationsform der Dominikaner und wurden 1298 von Papst Bonifaz VIII. unter die Bettelordeneingereiht.

Die erste Niederlassung im Gebiet der heutigen Schweiz, in Freiburg, ist ein Jahr vor der Vereinigung von 1256 belegt und als Gründung der A. der Toskana zu betrachten. Vor dem Ende des 13. Jh. entstanden weitere Konvente in Zürich (1270), Basel (1276), Bern (vor 1287) und Vevey (1297/1301). Damit war der Höhepunkt der Ausbreitung im schweiz. Raum bereits erreicht. Es folgten nur noch die Niederlassungen in Bellinzona (1444/45 und Genf (1479/83). Die Gründungen in Bern (nur 1287 urkundl. belegt) und Vevey (das die Brüder 1312 verlassen mussten) kamen nicht über Anfänge hinaus.

Die Beziehungen der ma. Augustinerklöster untereinander und zum städt. Gemeinwesen sind noch wenig erforscht. In der Seelsorge wirkten sie nicht nur innerhalb der Stadtmauern (die Konventskirche nahm im Quartier oft eine pfarreiähnl. Stellung ein), sondern als Leutpriester, Prediger, Beichtiger und Almosensammler auch in der umliegenden Landschaft. Die Niederlassungen verfügten oft über ein ansehnl. Vermögen, betreuten Beginengemeinschaften und Pilgerherbergen. Schliesslich waren sie auch auf ein gutes Einvernehmen mit der Obrigkeit bedacht, von dem ihr Wohlergehen abhing.

Die Reformationszeit, in der A. eine aktive Rolle spielten (allen voran Martin Luther, in Basel Thomas Geyerfalk, in Freiburg Conrad Treger), bedeutete das Ende der Niederlassungen in Zürich (1524), Basel (1528) und Genf (1535). Die nachreformator. Zeit war von den Bemühungen der Oberen geprägt, die klösterl. Ordnung wiederherzustellen und die finanziellen Verhältnisse neu zu ordnen. Dabei musste sich der Freiburger Konvent öfters das Eingreifen des Rats gefallen lassen und ihm ein Aufsichtsrecht über die Klosterwirtschaft zugestehen.

Die Geschichte der Niederlassungen in Freiburg und Bellinzona vom 17. bis 19. Jh. ist erst im Ansatz dargestellt. Der Konvent in Bellinzona wurde 1811/12 aufgehoben, jener in Freiburg 1848 im Anschluss an den Sonderbundskrieg.


Literatur
– H. Wicki, «Der Augustinerkonvent Freiburg im Üchtland im 16. Jh.», in FGB 39, 1946, 3-49
– A. Kunzelmann, Gesch. der dt. A., Bde. 1-2, 1969-70
– M.-H. Vicaire, «Les Franciscains à Lausanne», in RHV, 1973, 11-34
Dizionario degli Istituti di Perfezione 1, 1974, 155-190, 278-381
TRE 4, 728-739
HS IV/6, 21-182

Autorin/Autor: René Projer